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essen in der familie

„Wir kennen es gar nicht anders“

Das gemeinsame Kochen, das Essen im Kreis der ganzen Familie ist eine Tradition, die in Zeiten von Ganztagsschule und Doppelverdiener-Haushalten an Bedeutung verliert. Dabei fördert die Zeit am Esstisch nicht nur das Zusammenleben, sie kann auch Spaß machen. Bei den Austrups aus Lüdinghausen ist das gemeinsame Essen ein Ritual: Täglich versucht die Familie, alle Mahlzeiten zusammen einzunehmen.

essen in der familie | „Wir kennen es gar nicht anders“
Foto: © Wilfried Gerharz
Die Familie an einem Tisch: Das gemeinsame Essen ist bei den Austrups ein wichtiges Ritual.
 

Das Spaghetti-Wasser kocht, die Bolognese-Soße blubbert, Hund Paul liegt im Gras und träumt. Anke Austrup steht gelassen in der Küche, bereitet das Mittagessen für ihre Familie vor und wird dabei tatkräftig unterstützt: Tochter Ellen (8) trägt die Teller in den Garten, Jens (13) mixt mit einem Pürierstab ein Pesto mit Basilikum und Pinienkernen, Alexander (11) schneidet die Tomaten. Die Mama füllt die Nudeln in ein Sieb und die Soße in eine Schüssel. „Dann kann es ja gleich losgehen“, freut sie sich.

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Die gemeinsame Zubereitung und das gemeinsame Essen sind bei den Austrups ein Ritual, auf das keiner verzichten möchte. „Wir kennen es gar nicht anders“, sagt Sohn Jens. Alle Mahlzeiten werden im Kreis der Familie eingenommen. Im stressigen Alltag, irgendwo zwischen Hausaufgaben und Schlagzeug-Üben, bildet die gemeinsame Zeit am Esstisch ein einendes Band: Morgens holt Vater Jürgen Brötchen, ehe beim Frühstück über die Zeitungsseiten diskutiert wird. Nach der Schule sitzt die Familie aus Lüdinghausen beim Mittagessen zusammen. Abends gibt es oft Hotdogs oder ähnliche einfache Gerichte.

Für Experten ist das gemeinsame Essen ein wichtiger Bestandteil des familiären Zusammenlebens. Besonders in Zeiten, in denen oft beide Elternteile berufstätig sind, und Kinder wegen der Ganztagsschule erst spät nach Hause kommen. Aber diese Tradition verliert an Bedeutung. „Es ist oft der Fall, dass sich alle selber versorgen und nicht mehr zusammen essen“, sagt Ernährungsberaterin Ute Hantelmann, die diese Entwicklung bedauert. „Wir reden hier von den verlässlichen Momenten in einer Familie, in der man nicht nur miteinander redet, sondern sich erlebt.“

So wie bei Familie Austrup. „Wenn meine Kinder nach Hause kommen, hängt ihnen der Magen vor Hunger in den Socken“, sagt Mutter Anke. „Vielleicht hatten sie auch Probleme in der Schule und brauchen Hilfe. Dann soll jemand daheim sein, mit dem sie reden können.“ Ihr Mann ist Anwalt, sie hat für die Erziehung ihrer Kinder die Pläne einer eigenen Buchhandlung hinten angestellt. „Ich wollte sie nicht alleine lassen“, betont sie und schränkt ein: „Das ist ein Luxus, den sich nicht jede Familie leisten kann.“

Bereut hat sie die Entscheidung nicht. Allein schon das tägliche Essen zaubert ein Lächeln auf ihr Gesicht. „Hier sollen alle verwöhnt werden“, sagt sie. Die Kinder sind immer schon neugierig, was es wohl heute gibt, wenn sie ihren Schulranzen im Flur abstellen. Der Vater freut sich, seine Kinder in der Mittagspause zu sehen. Der Hund wartet geduldig auf das Leckerli am Ende des Essens.

„Das Essen soll gute Laune machen“, sagt Anke Austrup. So werde über Konflikte und schlechte Schulnoten erst gesprochen, nachdem der Tisch abgeräumt ist. „Wenn ich die Fünf in Mathe sofort diskutiere, kann ich die Nudeln auch in die Tonne werfen. Die Stimmung ist dann dahin.“ So spricht die Familie zunächst lieber darüber, was tagsüber passiert ist und welche Pläne gerade geschmiedet werden.

Das ist auch bei dem Spaghetti-Essen im Garten der Fall: In wenigen Tagen geht es nach Berlin. „Ich will in den Ampelmännchen-Laden“, sagt Tochter Ellen mit leuchtenden Augen und schwärmt von T-Shirts und Tassen mit Ampelmännchen. Die Eltern freuen sich, weil sie Karten für Didi Hallervorden haben. Die Söhne fiebern der spannenden City entgegen.

Bei der Auswahl des Essens geht es demokratisch zu. „Natürlich hat jeder sein Lieblingsgericht“, sagt Anke Austrup, deren eiserne Regel aber lautet: „Alles muss erst einmal probiert werden.“ Fernsehen und Radio bleiben ausgeschaltet, wenn die Familie am Tisch sitzt. „Das ist tödlich für jedes Gespräch“, findet die Mutter.

Am Ende räumen die Kinder das Geschirr in die Spülmaschine, während sie sich einen Kaffee kocht. Als der ausgetrunken ist, wird ihr Hund Paul plötzlich hellwach. Sie nimmt ihn an die Leine und reicht ihm ein Leckerli. Auch für ihn ist nun endlich Mittagspause.

(Florian Schlecht)


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