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Vier Generationen Spaß am Backen

Das Geschäft als Familiensache zu begreifen, den eigenen Beruf vom Großvater an den Vater und schließlich an den Sohn weiterzugeben: Das klingt altmodisch, ist aber gar nicht so selten. Wir haben zwei Mehr-Generationen-Betriebe besucht und he­rausgefunden: Ohne die Familie im Hintergrund, ihre Erfahrung und ihren Rückhalt, läuft gar nichts.

familiensache | Vier Generationen Spaß am Backen
Foto: © Wilfried Gerharz
 

August Hollekamp der Vierte ist acht Jahre alt und weiß, was er nicht will. Polizist werden? No way. Vielleicht Arzt? „Das schon mal gar nicht, ich will doch keine Spritzen geben“, stellt der Knirps mit den lustigen Sommersprossen resolut klar. Seinen Traumberuf, den teilt er mit seinem Papa, seinem Opa und seinem Uropa. Die Hollekamps sind Bäcker. Und das nun schon in vierter Generation.

Hätte Klein-August bereits seinen eigenen Laden, dann gäbe es bei ihm jede Menge Schokotorte mit Gummibärchen. „Und Schneeberge“, sagt der Achtjährige und hält ein rot-braun-weißes, kugeliges Etwas in die Höhe. Das Rezept kommt gleich hinterher: „Ne Erdbeere in Schokolade tauchen, Puderzucker drüber und ab in die Kühltruhe. Circa ne Minute warten, dann rausholen. Lecker!“ schwärmt der junge Mann und mampft seinen Schneeberg kurzerhand selbst. Ganz klar, auch die vierte Generation Hollekamp versteht was vom Geschäft.

1928 fing der erste August in Gronau ganz klein an. „70 Quadratmeter Backstube und Ladenlokal“, deutet dessen Enkel, Papa des kleinen August, in das Hollekamp’sche Fotoalbum. Ein rechter Tante-Emma-Laden war das seinerzeit, mit einer Kurbelkasse, Zigaretten, Schnaps, Waschpulver und allem Drum und Dran. Brötchen und Brot aber waren schon damals Kern des Geschäfts.

„Ruhiger, gemächlicher und familiärer als heute“, erinnert sich der zweite August, Klein-Augusts Opa, an die Zeit in den 60er Jahren, da er selbst den Laden übernahm. Mit zwei Gesellen schmiss er die Backstube – und sogar Ehefrau Änne packte mit an, wenn mal einer der Jung-Bäcker ausfiel. Die brachte dann nicht selten den dritten August in seiner Babywippe mit: Während sie Teiglinge drehte, krähte und schaukelte der Firmenerbe auf dem Küchentisch. Die Kunden kamen oft extra wegen Änne in den Laden, um ein Pläuschchen zu halten. „Man kannte sich, wusste alle Familiengeschichten in- und auswendig“, erinnert sich die heute 70-Jährige.

Inzwischen ist aus dem beschaulichen Handwerksbetrieb der Anfangszeit ein mittelständischer mit 300 Mitarbeitern und 21 Filialen im gesamten Münsterland geworden. Oma Änne kocht und kümmert sich um Klein-August, während dessen Mama Marita (40) das Verkaufspersonal in den Filialen betreut. Der zweite August hat sich in den Ruhestand zurückgezogen und der Taubenzucht verschrieben: „Kürzlich haben wir unsere erste Goldmedaille geholt“, zeigt der 74-Jährige Ehrgeiz.

Chef des Hollekamp’schen Imperiums ist nun August III., der das Geschäft nach seiner Lehre im eigenen Haus und einer Gesellenzeit in Fremdbetrieben 1999 übernahm. Seither ist vor allem das Büro sein Reich, wo er sich um Organisatorisches und die Einteilung der Mitarbeiter kümmert. In aller Herrgottsfrühe aufzustehen und in der Backstube Brötchen in den Ofen zu schieben – wie sein Vater und Opa vor ihm –, das kann er an jene Mitarbeiter delegieren, die die Nacht- und Frühschichten stemmen. „Zum Backen komme ich nicht mehr so oft, das ist schade“, bedauert der 43-Jährige. Viel läuft bei ihm heute maschinell, jüngst erst hat er eine neue Brötchenbackmaschine für 280 000 Euro angeschafft. Am ursprünglichsten ist da noch der Konditorei-Bereich, den seine Schwester Ingrid leitet, wo noch heute von Hand Hochzeitstorten gemacht werden.

Der zweite August ist stolz auf seinen Sohn, „ein Lottogewinn“, sagt der 74-Jährige, sei gewesen, „dass der Junge den Betrieb übernehmen wollte“. Auch für Klein-August steht dieser Werdegang schon felsenfest, während seine Eltern schmunzelnd seinen Eifer bestaunen. „Wir zwingen ihn aber nirgendwo rein“, stellt Marita Hollekamp klar. Allein der Spaß daran sei entscheidend. „Wenn Kinder sehen, dass eine Arbeit erst die Großeltern und dann die Eltern glücklich gemacht hat, dann wollen die das Gleiche machen“, glaubt Oma Änne – und legt ihrem Enkel liebevoll noch ein Stück Schokotorte auf den Teller. Natürlich mit ganz vielen Gummibärchen drauf.

(Julia Gottschick)


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