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tupperparty

Erst lästern, dann tuppern

Was ist daran so witzig? Acht Männer treffen sich mit einem männlichen Tupperberater, um Schüsseln, Wurstdosen und Salatschleudern zu kaufen. Wer davon erzählt, kann sich sicher sein, die Lacher auf seiner Seite zu haben. Das hat Gastgeber und Autor Stefan Werding zu spüren bekommen. Als ob Tuppern noch immer reine Frauensache wäre.

tupperparty | Erst lästern, dann tuppern
Foto: © Stefan Werding
Acht Männer und eine Tupperparty.
 

Gleich mehrere Redakteure der WN haben sich in eine letzte Frauen-Domäne getraut. Während Männer in Pekip- und Geburtsvorbereitungskursen oder beim Babyschwimmen längst keine Exoten mehr sind, gehören Männer-Tupperpartys auch für Ralf Wüstendörfer zur Ausnahme. Der Tupperberater steht gerade im Garten eines münsterischen Altbaus und gibt gern zu, noch nie vor einer rein maskulinen Kundengruppe gestanden zu haben. „Aber ich habe es immer schon mal machen wollen“, beteuert er tapfer.

Das kann er haben. Die Kerle vor ihm sind durchaus kritisch, haben bei der Vorbereitung auf den Abend im Internet schon mal am eigenen Körper zu spüren bekommen, wie das ist, nicht so richtig dazuzugehören: „Für unsere männlichen Internet-Besucher: Zum Zweck der besseren Lesbarkeit beschränken wir uns auf die Schreibung in weiblicher Form. Selbstverständlich sprechen wir mit unseren Aussagen auch die männliche Zielgruppe an.“

Tuppernde Männer ernten kichernde Verwunderung, von den rund 58 000 Tupperberaterinnen in Deutschland liegt der Anteil der Männer gerade mal bei fünf Prozent, schätzt Tupper. Immerhin: Der Anteil wachse stetig.

Die meisten Gäste, die mit Mett-Igel und Pils auf die Terrasse gelockt wurden, sind tatsächlich fremdgesteuert, haben mit ihren Frauen im Internet schon mal nach „Eidgenossen“, „junger Welle“ und „Brotmax“ recherchiert und klare Anweisungen mitgebracht. So wie der Online-Kollege Carsten Vogel: „Ich hatte wirklich vor, den Wunsch meiner Freundin zu respektieren“, sagt er nachher. „Nein, ich wollte nichts kaufen. Und schon gar nicht wollte ich mehr als 50 Euro ausgeben“, so sein Plan. Aber nach zwei Stunden gibt er auf, kauft einen „Sportfreund“ – ausgerechnet jener Kollege, der sich keinen Meter ohne Auto bewegt. Nachher behauptet er, „nicht für mich, sondern für meine Freundin“ gekauft zu haben. Und den „Erfrischer“ habe er ja schließlich noch obendrauf bekommen.

Das Wort Tupper-„Party“ erweckt den Eindruck, als ob man etwas feiert. Tatsächlich ist eine Tupperparty eine Verkaufsveranstaltung – nur ohne Bus und Wärmedecken. „Multi-Chef und Turbo-Chef für nur 47,90. Und Deckel dabei. Sind halt Qualitätswochen“, wirbt entsprechend Wüstendörfer. Der erhält bei jedem erfolgreichen Geschäft eine Provision von 24 Prozent des Verkaufspreises. Zusätzlich ermuntert das Unternehmen seine Mitarbeiter durch Reisen und Firmenwagen zu Höchstleistungen. Eine ehemalige Beraterin erzählt: „Ich war in Leipzig, Dresden und Monte Carlo. Ohne Tupper hätte ich das nie gesehen.“ Es gibt Beraterinnen, die fünf Veranstaltungen am Tag schaffen. Tuppern lässt sich’s im Zweifelsfall auch zum zweiten Frühstück.

Vielleicht kauft man bei Tupper immer mehr als geplant, weil man so gut belohnt wird. Gleich zu Beginn stillt Wüstendörfer den Schnäppchen-Hunger seiner Kunden, indem er sie mit „Ecoeasys“ verwöhnt, roten Flaschen, von denen sie bislang niemals geglaubt hätten, dass sie sie gebrauchen könnten.

Die Runde fällt auf so eine Masche zunächst nicht her­ein, bleibt distanziert und kaufscheu. Da packt Wüstendörfer noch tiefer in die Trickkiste, lässt die Dosen und Schalen links liegen, greift zu den technischen Höhepunkten aus dem Tupperprogramm: Wundergeräte, die Zwiebeln und Fleischwurst sekundenschnell zerhacken.

Der Redakteur für Regionales, Uwe Renners, selbst schon Besitzer des Quick-Chefs, springt dem Tupperberater zu Seite: „Der ist am Wochenende zu meinem ständigen Küchenbegleiter geworden“, bestätigt er, stellt Wüstendörfer aber auch gleich ein Beinchen: „Gut 50 Euro sind schon recht happig.“ So sehen das auch seine Kollegen. Die Begeisterung hält sich weiter in Grenzen.

Genauso wie die Dankbarkeit gegenüber dem Gastgeber. Mindestens zwei Gäste erwecken den Eindruck, dass sie nur deswegen nichts kaufen, weil sie dem Hausherrn keine Sterne gönnen. Die sammelt der mit jedem verkauften Produkt und kann sich so nach der Tupperparty mit weiteren Dosen eindecken. Das angeblich nicht ausreichend gekühlte Bier ist Anlass für ständiges Meckern, das die Kauflust zusätzlich hemmt. Wer wissen will, ob Kollegen auch Freunde sind, der muss sie nur zu einer Tupperparty einladen.

„Das Problem der Tupperparty ist die Tupperparty“, sagt Lokalredakteur Lukas Speckmann. Der aufgeklärte Mann respektiere Tupperware, aber er möchte nicht einmal im vertrauten Freundeskreis als Tupperpartygänger gelten. Weshalb er sich bei dieser Gelegenheit in einen ganzen Kerl verwandelt und so spöttisch-distanziert ablästert, dass dem Berater mulmig wird.

Zu Unrecht. Der Mann macht seinen Schnitt. Und die Sterne für den Gastgeber reichen noch zu einem Eidgenossen, der jetzt unbenutzt in der Küche herumfliegt.

(Stefan Werding)


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