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Alles nur Theorie...
Okt '11
12:06 Uhr
17

Radfahren

Fahrradhasser

Fahren Sie viel Rad? Und gern? Ich nicht. Ich weiß, Bewegung ist gesund, Fahrräder produzieren kein CO₂, und auch keine Abgase und überhaupt: Hier im Münsterland sagt man so was nicht. Ich finde Radfahrer sind oft unsympathisch. Sie tun alles, was Autofahrer aus Angst vor Punkten lassen: durch Fußgängerzonen und Spielstraßen rasen, über rote Ampeln und gegen die Spur fahren, freihändig, telefonierend, was weiß ich. Das heißt: Ich weiß es. Weil ich all das auch mache, wenn ich Fahrrad fahre. Was ich aber noch schlimmer finde: Radfahrer halten sich dabei auch noch für die besseren Menschen.

Sind sie doch im Dienste der Gesundheit, der Umwelt und der Fitness unterwegs. Wieso sollten sie einfach langsamer fahren, womöglich anhalten und absteigen, nur weil ein hochkonzentriert mit seiner tropfenden Eiswaffel beschäftigter Dreijähriger in der Spur steht? Trost und Stärkung finde ich im „Fahrradhasser-Buch“ (Annette Zoch, Kai Pannen, Sanssouci-Verlag). Darin bekommen sie ihr Fett weg: die Sport-Radler, die Edel-Radler, die Krawall-Radler, die Radl-Rentner, die Anhänger-Eltern und, und, und. Wer noch fehlt in dem Büchlein, das sind die E-Biker. Diese als segensreich gepriesene Erfindung führt letztlich nur dazu, dass noch mehr Radfahrer noch öfter, noch länger und noch schneller unterwegs sind.

Aber für irgendwas muss man den Strom ja benutzen, den man durchs Glühbirnen-gegen-Energiesparlampen-Tauschen eingespart hat.

Okt '11
11:54 Uhr
17

Gute Taten

Malteser-Atkion

Wir machen nicht mit, das vorweg. Bei der Aktion des Malteser Hilfsdienstes „Kastanien gegen Haribo“: Kinder sollen Kastanien und Eicheln sammeln und bei den Maltesern abgeben. Die tauschen sie dann in Bonn bei Haribo bei der jährlichen Tauschaktion gegen Gummibärchen ein. Jeweils ein Kilogramm gibt es für zehn Kilo Kastanien oder für fünf Kilo Eicheln. Freude bereiten wolle man, so heißt es. Die Gummibärchen nehmen sie beim nächsten Transport ins Hilfsprojekt-Partnerdorf mit. Ein Teil geht auch hier vor Ort an bedürftige Kinder.

Denen fehlt zwar nicht am allermeisten der Süßkram, finde ich. Aber nun. Immerhin greift hier in Deutschland alles ineinander: Zahnbürsten, Zahncremes, Zahnärzte, Zahnersatz. Wie es damit in Rumänien, im Kongo oder in Indonesien aussieht, weiß ich nicht. Ansonsten klappt das mit der Freude aber durchaus: die Hilfsdienste freuen sich über ihr gutes Werk. Haribo freut sich, Ausschuss und Überschuss loszuwerden und das Image zu polieren. Auch einige Speditionsfirmen freuen sich: Sie bringen die rund 400 Tonnen Kastanien und Eicheln in Parks und Wälder – dorthin zurück, wo sie vorher Rehen und Wildschweinen vor der Nase weggesammelt wurden.

Als Winterfutter, damit die nicht verhungern. Wie gesagt, wir machen nicht mit, aber nicht weil ich so moralisch-kleinkariert handle wie, ich hier denke. Die Kinder haben keine Lust. Eicheln und Kastanien zu sammeln, damit andere Gummibärchen einsacken, finden sie einfach zu viel des Guten.

Sep '11
13:36 Uhr
16

Fackedumm

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Meine Kinder spielen öfter Ich-bin-Hu-Tuckmer-und-du-Sam-Player. Ich dachte, irgendwelche KiKa-Figuren oder Laserschwertkämpfer, ich kenne mich da nicht so aus. Dazu singen sie immer eine bestimmte

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Melodie - die erkannte ich irgendwann, als ein Lied von Lena: „Who took my cassetteplayer“ – das hören wir oft beim Aufräumen – und mir wurde klar, wer Hu Tuckmer und Sam Player sind. 

Und: Mir fiel wieder ein, dass meine Schwester und ich früher oft „fackedumm“ sagten, aus dem Titellied der Sesamstraße: „Wieso, weshalb, warum – wer ist fackedumm?“ Ich habe dann gegoogelt: Es gibt mehrere Einträge bei Wikipedia, Chats, Listen der lustigsten oder poetischsten Verhörer und ganze Bücher: ein „Handbuch des Verhörens“ mit dem Untertitel „Der weiße Neger Wumbaba“ (eigentlich „der weiße Nebel wunderbar“ aus „Der Mond ist aufgegangen“), oder das Kinderbuch „Luftabong und Popapier“ (Klett-Kinderbuchverlag).

Dass man sich verhört, passiert nicht nur Kindern. Aber warum nehmen die offensichtlich Sinnloses hin? Und entdecken manchmal erst als Erwachsene, wie es wirklich heißt? Kinder haben halt noch so viel Fantasie? Ich glaube, es ist eher andersrum: Für Kinder ist die Welt einfach rätselhaft und unverständlich. Sie sind daran gewöhnt, dass Erwachsene „gleich“ sagen und „jetzt nicht“ meinen. Oder bei jedem Essen wenigstens eine „Kotzprobe“ verlangen. So sind sie halt, denken die Kinder vermutlich. Und nicht: Kotzprobe – wie fackedumm.

Sep '11
15:28 Uhr
02

Bildung aus Büchern

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Liebe Verbraucherschützer, jetzt, wo ihr die Lebensmittel-Kennzeichnung durch habt, könntet ihr Euch da mal um die Bücher kümmern? Da ist nämlich auch nicht immer drin, was draufsteht: „... hier erfährt Ihr Kind, wie ein Landwirt lebt und arbeitet“, so oder ähnlich heißt es zum Beispiel im Klappentext der „Entdecke-den-Bauernhof“-Bücher. Ob es jemals in der Landwirtschaft so idyllisch zuging wie im Sach-Bilderbuch – ich weiß es nicht. Nur: heutzutage ganz bestimmt nicht, oder? Auch nicht beim Biobauern.

Oder die Piraten. Die werden den Kindern als Robin Hoods der Weltmeere verkauft. „Cool“. Sagt mein Sohn. Besonders wenn es dazu noch Lieder und Bastelanleitungen gibt wie in „Käpt’n Sharky’s Handbuch für Piraten“ (Coppenrath, 9,95 Euro). Dass die Sache mit den echten Piraten vor der afrikanischen Küste und der Deutschen Marine, die dort zur „Piratenabwehr“ stationiert wurde, nicht ganz so cool ist: Muss ich ihm das selber erklären?

Oder all die Naturführer. „Spuren suchen“ (Velber, 12,95 Euro) zum Beispiel: Darin werden wilde Tiere beschrieben, es wird gezeigt, wie das alles so aussieht in freier Wildbahn. Nur gibt es immer weniger freie Wildbahn – Wildschweine oder Eichhörnchen hinterlassen ihre Fährten in Parks oder im Hof bei den Mülltonnen. Kleinlich? Dass Bücher fantastische Geschichten oder lustigen Quatsch erzählen, dagegen habe ich nichts. Nur dass sie so tun, als seien sie Sach-Bilderbücher, das will ich nicht.

Aug '11
12:28 Uhr
19

Verkehrsregeln

Autofahren

Ich bin eine Verkehrssünderin. Nicht, weil ich mit 90 durchs Dorf fahre oder einfach mal so tue, als würde ich nicht merken, dass es sich um eine Spielstraße handelt. Oder weil ich ein anderes dieser Kavaliersdelikte begehe, für die man dummerweise Strafe zahlen muss oder Punkte in Flensburg bekommt, wenn man dabei erwischt wird. Was ich tue, ist viel schlimmer!

Darauf weisen mich meine Mit-Verkehrsteilnehmer regelmäßig mit „Bei-dir-piepts-wohl“-Handbewegungen oder einem abgrundtief verachtenden Kopfschütteln hin. Ich bin nämlich ein Verkehrshindernis. Ich fahre mit 80 über Land. Möglichst gleichmäßig ohne starkes Bremsen und Beschleunigen; was bedeutet, dass ich Trecker, die bereits blinken, weil sie am nächsten Wirtschaftsweg abbiegen, nicht überhole und auch nicht jeden um 7 km/h langsamer fahrenden Lkw. Hat die Strecke viele Kurven, fahre ich 70, im Kreisverkehr 20.

Aber: Ich bin keine Sonntagsfahrerin. Eine, die nichts zu tun hat, und der es auf drei Minuten bei einer halben Stunde Fahrt nicht ankommt. Das möchte ich auf diesem Weg allen sagen, die mich schon mal angehupt, schnittig überholt oder beschimpft haben.

Ich mache das auch nicht, weil ich meine, es sei ökologischer, billiger und sicherer. Ich habe einen Grund – und den nähme jeder, dem seine Sitzbezüge etwas wert sind, vermutlich genauso ernst wie ich: Mein Kind leidet unter , das ist der Fachausdruck für Reiseübelkeit. Fahre ich zu schnell, dann kotzt es mir ins Auto.

Aug '11
18:22 Uhr
10

„Kinder-brauchen-Natur“



Nacktschnecke

Ein bisschen ist es wie mit den Geländewagen, von denen ja immer mehr durch immer weniger Gelände fahren: je weniger Kinder noch draußen in der Natur spielen können, desto mehr wird in idyllisch bebilderten Reportagen in Geo, Spiegel oder Nido drüber geschrieben, wie  schön und wie wichtig es ist. Tenor: Schnecken sammeln, Kränze flechten, Borkenboote fahren lassen sind sinnliche Erfahrungen mit Händen und Füßen, Augen, Ohren, Herz und Verstand. Und für die körperliche, intellektuelle und seelische Entwicklung genauso so wichtig wie Liebe, Essen und Schlafen.

Das stimmt ja auch.

Aber wer dann keine Wildblumenwiese und kein Bächlein vor der Haustür hat, sondern nur den rüden Großstadtdschungel, lässt die Kinder lieber drinnen und zeigt ihnen Tierfilme und Fährtenlese-Bücher. Meine Kinder haben Glück. Nicht weil es bei uns so viel unberührte Natur gibt. Sondern weil sich unsere Kita nach langer, ergebnisloser Suche nach einem für wildnispädagogische Zwecke geeignetem Wäldchen genau andersrum entschieden hat: aus dem Satz „Draußen-in-der-Natur-spielen“ erst mal nicht „Draußen spielen“ zu streichen, sondern „Natur“. Einmal in der Woche marschieren sie jetzt einfach durch die Stadtlandschaft. Bei Regen frühstücken sie unter einer Brücke und wenn sie mittags zurückkommen, haben die Kinder die Taschen voll mit Kornkorken, leeren Taubeneiern und anderen Schätzen und sind dreckig und zufrieden. Rennen, Toben, Klettern, Erleben, Gestalten, Entdecken - das  ist wichtig für die Entwicklung.

Nacktschnecken streicheln nicht so sehr, glaube ich.

Jul '11
09:51 Uhr
22

Wassersparen

Kinder und Wasser ziehen sich magisch an – weswegen Eltern den ganzen Tag damit beschäftigt sind, vollgelaufene Gummistiefel trockenzulegen, Gießkannen zu beschlagnahmen, Trinkgläser zu sichern, Wasserhähne zuzudrehen. Früher mag es das Hausfrauengewissen gewesen sein, heute spricht aus ihnen das Umweltgewissen: „Wasser ist kostbar. Mit Wasser spielt man nicht.“

Wasserflaschen

Dabei könnte es so schön sein: einfach den Schlauch in den Sandkasten und die Kinder sind stundenlang beschäftigt. Letztens habe ich es mir mal wieder so schön gemacht: Habe mir Kaffee gekocht und geschafft, all das zu lesen, was sich auf dem Bei-Gelegenheit-mal-Lesen-Stapel gesammelt hatte. Es war viel Interessantes dabei. Zum Beispiel, dass die Organisation „Water Footprint Network“ ausgerechnet hat, wie viel Wasser es braucht, um welche Lebensmittel anzubauen und herzustellen.

Meine schöne große Tasse Milchkaffee zum Beispiel brauchte ca. 250 Liter Wasser. Ich wurde etwas nervös, denn es war bereits meine dritte schöne große Tasse Milchkaffee. Und ich habe nachgestoppt: Fünf Liter laufen pro Minute durch unseren Schlauch, wenn man ihn nicht ganz voll aufdreht. Globalökologisch können die Kinder also zwei Stunden pro Nachmittag muttkern – wenn ich dabei keinen Kaffee trinke. Ich las noch mehr, zum Beispiel dass der Verein Deutscher Ingenieure empfiehlt, im Sommer einmal pro Woche jeden Wasserhahn so lange laufen zu lassen, bis das Wasser konstant kühl ist.

Weil sich im Sommer Keime schneller vermehren und Wasser deswegen nicht längere Zeit in der Leitung stehen soll. Damit ist die Sache eigentlich klar: mehr Wasserspiel-Tage, weniger Kaffee.

Jul '11
08:39 Uhr
07

Nützlinge und Unkräuter

Seit diesem Jahr verwende ich es wieder, das ökologisch völlig unkorrekte Wort 'Ungeziefer'.

Schnecken

Schnecken im Garten

Wir haben einen Garten, etwas Rasen, ein paar Blumen und auch ein bisschen Obst und Gemüse. Für die Kinder, zum Naschen. Und dann? Setzt die Johannisbeere Lausei-Nester an statt Beeren, den Salat fressen die Schnecken und die Kirschen die Tauben – noch grün!

Was kann ich tun? So ökologisch korrekt wie möglich, zumindest nicht ungesund für mich und meine Familie, aber schon so, dass es funktioniert und kein Nepp ist? Wen fragt man da? Genau, die Stiftung Warentest. „Pflanzenschutz: Unser gesunder Garten“, so heißt das Buch. Ich gehe sehr davon aus, dass sich die 22,90 Euro amortisieren werden: denn es enthält eine ausgeklügelte Rasterfahndung nach Ungeziefer vom Apfelblütenstecher bis zum Zwiebelhähnchen. Und hobbygärtnersichere Anleitungen, was wir wann und wie machen könnten, sollten und müssten: Netz drüber, Abfegen, Abschneiden, und in der höchsten Alarmstufe auch Gift spritzen, so umsichtig und umweltfreundlich wie möglich. Für meine diesjährige Ernte kam das Buch leider zu spät. Macht nichts, in einem anderen Buch („Essen aus der Natur“, 16,90 Euro) verrät Stiftung Warentest, was sonst noch so genießbar ist. Haben Sie schon mal jungen Girsch gegessen? Franzosenkraut, Brennnessel? Gedünstet, mit Salz, Pfeffer, Öl und ein bisschen Parmesan?

Seit diesem Jahr existiert das Wort 'Unkraut' nicht mehr in unserem Sprachgebrauch – wir nennen es jetzt Gemüse.

Jun '11
16:58 Uhr
22

Schatten aus der Flasche

Sonnenschein ist ungesund, besonders für Kinder. Wenn man es merkt, ist es schon zu spät, dann ist der Sonnenbrand da. Und später kommt der Hautkrebs.

Deshalb: Cremen, Cremen, Cremen, das raten Ärzte, Forscher, Apothekenblättchen jedes Jahr aufs Neue. Zwei Esslöffel sollten es schon sein pro Kinderkörper und am besten gleich morgens, ganz routinemäßig.

Mir ist dabei unwohl. Erstens sind in Sonnencremes Duftstoffe, Konservierungsmittel und andere Dinge drin, die nicht unbedingt gesund sind. Und – natürlich: UV-Licht-Filter. Entweder sind es so genannte ‚chemische‘ oder ‚organische‘, die nebenbei auch wie weibliche Geschlechtshormone wirken können.

Oder es sind ‚mineralische‘ Filter, die das Licht wie Spiegel reflektieren. Und ganz klein sind, nano-klein, und durch die Haut in den Körper schlüpfen können. Was sie dort machen? Das weiß man nicht genau, vermutet aber, es sei unbedenklich.

Schatten

Zweitens habe ich mal nachgerechnet, wie die Cremes bei Kindern überhaupt wirken. Prinzipiell ergibt sich aus Lichtschutzfaktor mal Eigenschutzzeit die erlaubte Dauer der Sonneneinstrahlung. Kleine Kinder haben aber noch gar keine Eigenschutzzeit. Null. Deswegen sind sie ja so gefährdet. Und null mal LSF 5 oder 20 oder 40 ergibt: null. Die Kinder zu langen Sachen und Hüten zu verdonnern, mittags drinnen zu bleiben und sonst im Schatten wäre vielleicht der bessere Ratschlag.

Nur lässt sich Schatten schlecht in Flaschen füllen und verkaufen.

Jun '11
11:13 Uhr
03

Fische sind die neuen Dinos

Am 8. Juni feiern wir den Tag des Meeres.
Wussten Sie gar nicht?
Ich wüsste es auch nicht, wenn ich nicht von verschiedenen Firmen darauf hingewiesen würde, meist mit folgenden Worten: „Am 8. Juni feiern wir den Tag des Meeres. Planen Sie darüber zu berichten? Dann können wir Ihnen folgende Produkte empfehlen...“ Und dann empfehlen sie mir Bücher, Spiele, Experimentierkästen, Bettwäsche, Veranstaltungen und Zeitschriften, alles mit irgendwelchen Meeresthemen. „Mare, die Zeitschrift der Meere“ zum Beispiel bringt ab dieser Woche regelmäßig ein Kinderheft heraus: „aHoi!“ heißt das, in der ersten Ausgabe gibts „Post von Cornelia Funke und tolle Siggi-Sticker“. Und sechs Ausgaben pro Jahr kosten 20,00 Euro .

Alles Zufall!

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Als ich klein war, gab´s das nicht. So viele Bilderbuch- und Kinderspielfische, meine ich. Es gab Moby Dick, Flipper und den Butt vom „Fischer un sin Fru“.
Aber jetzt? Fische sind die neuen Dinos, würde ich sagen.

Ich glaube ja, ausgelöst hat die Fischwelle der „Regenbogenfisch“ (Marcus Pfister, Nord-Süd-Verlag, 15,80 €). Der allerdings nur zufällig ein Fisch geworden ist! So beschreibt es zumindest sein Erfinder, der einen Nachfolger für sein Erstlingswerk „Die müde Eule“ suchte. Irgendwie wurden aus den stilisierten Vogelfedern Schuppen und aus der farbigen Eule ein glitzernder Fisch, der Geschichten erlebt vom Teilen und Helfen, vom Ausgrenzen und Zusammenhalten, vom Streiten und Vertragen und von anderen soziale Schwierigkeiten und ihrer Lösung, leicht und geradeaus erzählt. Und gerne eingesetzt wird von Spieltreff-Leiterinnen, Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen; So wird der  Regenbogenfisch Jahrgang für Jahrgang allen Kindern bekanntgemacht. Und gemocht: Mädchen finden ihn niedlich und schön glitzerig, für Jungs sind die Bücher blau genug, um ihnen nicht peinlich zu sein. Und auch ästhetisch anspruchsvolle Eltern können die Bilder ertragen, und haben nichts dagegen, ihren begeisterten Kindern den Regenbogenfisch auch noch als Kuscheltier, CD, Puzzle oder Kartenspiel zu schenken. Und so wurde aus dem Buch  ein riesiger Erfolg, die Titel erscheinen mittlerweile in einer Auflage von 30 Millionen und sind in 50 Sprachen übersetzt worden.
Klar, das auf der Welle dieses Erfolges auch andere Verlage mit schwimmen wollen.
Und schon sind Fische in.

Es gibt nun auch Kinder, die Fische nicht nur süüüüß finden, sondern sich wirklich dafür  interessieren. Deren Eltern rate ich, ein Sachbuch dazuzunehmen (z. B. „Blubb – Leben unter Wasser“, erschienen bei Dorling-Kindersley, 19,95 Euro). Dann sind Sie gerüstet für Fragen, ob es der Krake heißen oder die Krake und ob der oder die Krake das gleiche ist wie ein Tintenfisch oder wie ein Calmar.  Ob es den Pyjamabarsch „in echt“ gibt und den Kofferfisch und den Laternenfisch; und wenn ja, ob der dann wirklich so einen leuchtenden Bommel vor der Nase hat? Und sie können Ihrem Kind gleich erklären, dass die beliebte Geschichte „Fisch-landet-im-Ausguss-und-reist-durch-die-Kanalisation-in-die-weite-Welt-hinaus“ nicht zur Nachahmung empfohlen ist: In der Realität ist eine solche Reise spätestens im Schredderwerk der Kläranlage zu Ende.

Die ichthyologischen Fakten sind meistens nicht korrekt...

I chthyologisch, also fischwissenschaftlich korrekt sind nämlich nur die wenigsten Fischbücher, auch die nicht, die sich „Der Regenbogenfisch entdeckt die Tiefsee“ und „Der kleine Fisch entdeckt das Meer“, nennen – von rund einer Million höheren Tieren wie Fischen, Krebsen, Säugetieren und Tintenfischen, die laut jüngster Zählung in den Ozeanen leben werden da nämlich immer nur Oktopusse, Quallen, Seenadeln, Haie, Wale und noch eine Handvoll anderer Arten entdeckt.
Wem die ganzen schönen Bücher auf die Nerven gehen, die er seinem fischbegeisterten Kind vorlesen muss, all die kulleräugigen Fische, die puscheligen Anemonen, die zart schillernden glitzerglatten Muscheln, die sich gegenseitig ganz doll liebhaben und immer zusammenhalten, (wie mir), dem empfehle ich: Fjodor. („Fjodor flippt aus“, Felix Janosa, Pal H. Christiansen, terzio, 14,95 €). Fjodor ist ein Kabeljau, weder süüüüüüüß noch freundlich und pseudo-ichthyologische Fakten werden hier auch nicht entdeckt.  Fjodor muss man sich vorstellen wie Pumuckl, dazu marianengrabentief schlecht gelaunt, verlogen, wehleidig und weinerlich. Keine Ahnung, warum Fjodor ausgerechnet ein Fisch ist. Aber es ist gut so, denn: zum Buch gibt es auch eine CD, mit Text und mit Liedern, die nach Beach Boys, Bacardi Feeling und Waterkant klingen.   

Der Tag des Meeres wäre doch der richtige Anlass, sich das mal anzusehen und anzuhören.....

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

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