Zurück zur Übersicht
Alles nur Theorie...
Dez '10
14:34 Uhr
29

Weniger Pädagogische Zeigefinger-Sprüche

Ein Plakat mit gesammelten pädagogischen Zeigefingern

Zu Silvester nimmt man sich ja gewöhnlich vor, manches ab sofort anders oder besser zu machen. Ich hatte mir das eigentlich abgewöhnt; ich fühle mich oft schon anders und besser, wenn ich etwas nur in den Kalender geschrieben habe: „Mehr an die frische Luft.“ Und dann denke ich nicht mehr dran.

Dieses Mal bin ich aber wieder mit dabei und das kam so: Bei uns in der Schule hängt ein Plakat, groß, rot, mit gelb gedruckten Sätzen. Sätze, die man als Eltern so sagt, die man als Kind so hört und von denen ich noch einige im Ohr habe aus meiner Kindheit, inklusive zugehörigem Tonfall. Und den Blick meiner Mutter dabei habe ich auch noch vor Augen.

Zum Beispiel:

„Nicht so schnell, du fällst hin.“

„Du weißt doch, wie gefährlich das ist.“

„Siehst du.“

„So ein großes Kind und dann so was.“

„Das nächste Mal passt du besser auf.“

„Stell dich nicht so an.“

„Du brauchst keine Angst zu haben.“

„Natürlich schmeckt das.“

„Hoffentlich hast du mal ein Kind wie dich.“

Ich las das Plakat, während ich nach einigem Drängeln schließlich schicksalsergeben im Schulflur stand und darauf wartete, dass meine Tochter aus den Puschen und in die Winterklamotten und mit nach Hause kommt.

Zeigefinger

Welche Sätze ich während des Drängelns und Zeterns verwendet habe und welche ich recht wortgetreu auf dem Plakat wieder gefunden habe, das sage ich jetzt nicht.

Im Kinderzimmer aufhängen...

Jedenfalls fasste ich den Vorsatz, meinen Kindern weniger von diesen pädagogischen Zeigefingern mitzugeben. Traumatisierend sind solche Sprüche wohl nicht. Aber auch nicht freundlich. Und funktionieren tun sie sowieso nicht. Also werde ich mir das Plakat besorgen. Und an die Kinderzimmertür hängen, als Gedächtnisstütze, für solche Situationen wie jetzt gleich, wenn ich fertig bin mit dem Arbeiten und runter gehen werde, ins Kinderzimmer, wo die drei den ganzen Nachmittag gespielt haben. Damit mir nicht Sätze entschlüpfen wie „Wie sieht´s denn hier aus. Könnt ihr mir mal sagen, was dass soll? Könnt ihr nicht einmal was wegräumen, wenn ihr was neues anfangt? Andere Kinder schaffen das doch auch!“

Was könnte ich statt dessen sagen? „Super, ich konnte richtig viel arbeiten, während ihr so toll gespielt habt. Ich brauch jetzt erst Mal frische Luft und was zu Essen. Kommt ihr mit?“

… und überlegen, was man stattdessen sagen könnte

Aufgeräumt ist dann natürlich noch nicht. Aber, ich habe Zeit gewonnen. Denn während ich Äpfel schäle und die Kinder die Katze mit Schnee beschmeißen, kann ich mir überlegen, was ich sagen werde, wenn es dann gleich so geht wie üblich: Die eine sagt: „Mit Lego, Playmobil und der Eisenbahn habe ich gar nicht gespielt, ich habe nur gelesen.“ Der Zweite verschanzt sich kommentarlos, aber mit Bauklötzen bewaffnet, auf dem Hochbett. Und der dritte sagt „Bäbo, Bäbo“ (was seine Version ist von „Du kannst mich mal gerne haben“), geht ins Wohnzimmer und wartet darauf, dass ich das „Sandmännchen“ anschalte.

Das Plakat mit den gesammelten pädagogischen Zeigefingern gibt es bei www.betrifftkindershop.de  ; es kostet 4 Euro plus Versand.

Dez '10
16:59 Uhr
23

Kein Ritual zu haben kann auch eines sein

Menschen brauchen Rituale, da sind sich alle irgendwie einig: Psychologen, Soziologen, Pädagogen, Theologen. Immer wiederkehrende Abläufe gäben dem Leben Struktur, schenkten Geborgenheit und stärkten Ich- und Wir-Gefühl, heißt es. Im Alltag seien es der Morgenkaffee und die Gute-Nacht-Geschichte und an Feiertagen das gute Essen, Kerzen, Deko, Geschenke und Besuche – erst dadurch würden Feiertage überhaupt zu etwas Besonderem.

Weihnachtsrituale sind Kindheitserinnerungen

Und weil Rituale besonders wichtig für Kinder sind und weil kein Fest so viele Rituale hat wie Weihnachten, holen auch Paare, die sonst an Weihnachten auf den Malediven zum Tanzen waren, Rituale heraus, sobald sie Eltern geworden sind.

Und wo holen sie die Rituale her? Aus ihren Erinnerungen: wie war das bei uns an Weihnachten, wie war´s bei euch? Lichter, Lieder, Geheimnisse, Geschenke – Weihnachtsrituale sind Kindheitserinnerungen. Und deshalb geht es nicht nur darum, ob es Würstchen mit Kartoffelsalat gibt oder Hirsch mit Klößen und Rosenkohl. Wer kampflos seinen Hirsch aufgibt, oder seinen Waldspaziergang, die Mistelzweige, die Mitternachtsmesse – der wird’s wohl nicht so toll gefunden haben. Und damit sein Weihnachten nicht. Und wer keine schönen Weihnachten hatte als Kind, hatte womöglich gleich gar keine glückliche Kindheit.

Familienstreit
Kampf um Rituale

Das will man natürlich nicht zugeben, also wird gekämpft.

Der 'Weihnachtsstreit“ wird zum neuen Ritual und auch dann beibehalten, wenn Hirsch und Würstchen längst zum Lamkotelett-Kompromiss geworden sind: Wie groß soll der Baum sein? Welche Sorte? Vom Förster? Bio? Baumarkt-Massenware, aber dafür billig? Wo soll er stehen und - steht er gerade? Nehmen wir echte Kerzen oder Lichterketten? Und wenn, dann weiß, bunt, blinkend? Oder alles zusammen?

Bei uns ist alles ganz anders

Während ich dies schreibe, stelle ich fest – wir haben gar keine festen Rituale. Außer einem vielleicht: an Weihnachten krank zu sein: Fieber, Husten, Schnupfen, Pseudokrupp, Bindehautentzündungen und eine verschluckte Büroklammer. Durchfall und Erbrechen ist gar nicht der Rede wert - außer das eine Mal vielleicht, als der erste bereits beim Krippenspiel zwischen die Kirchenbänke gekotzt hat. Zweimal sind wir mitten im Dezember umgezogen und nach mittlerweile acht Weihnachten ergibt sich folgende Bilanz: Es ist alles schon mal dabei gewesen. Weihnachten zwischen Umzugskartons und bei den Schwiegereltern, Riesling-Huhn auf weißer Tischdecke und Backofenpommes und Zwieback und Tee auf dem Sofa, alle zusammen schick angezogen in der Weihnachtsmesse und Gottesdienst im Radio.

Immerhin, wir streiten uns nicht; weder um grundsätzliche Kindheitserinnerungen noch um Detailfragen. Wahrscheinlich sind wir zu beschäftigt damit, zu improvisieren und zu organisieren, zu verschieben und irgendwas im Fernsehen zu finden, was alle Kinder gucken können, damit sie aus den Füßen sind.

Die armen Kinder

Wenn das so weitergeht, werden unsere Kinder dereinst keine typischen Weihnachtsrituale in ihre neuen jungen Familien einbringen können. Keine Erinnerungen, kein Kindheitsglück.

Obwohl, wer weiß. Kinder finden ja meist das normal, was sie kennen. Und vielleicht werden sie irgendwann sagen: „Wieso schon wieder Lammkoteletts? Haben wir doch letztes Jahr schon gekocht, vorletztes auch. Das ist doch kein Weihnachten! Bei uns zu Hause, ja, da war Weihnachten jedes Mal ganz anders.“

Lektüre zum Thema:

Der Karpfenstreit: Die schönsten Weihnachtskrisen“ enthält kleine nette, böse Geschichten um Weihnachtsrituale, Festessen und die bekanntesten Weihnachtslieder – wie man sie richtig singt, wie sie leider meist gesungen werden und wo die Stolperfallen liegen. Geschrieben von Daniel Glattauer und illustriert von Michael Sowa, erschienen im Dezember bei Sanssouci. Das Büchlein kostet 8,90 Euro.

Es gibt auch eine Hörbuch-Version, allerdings ist die etwas langweilig und langatmig – die Lieder werden tatsächlich alle durchgesungen.....

Dez '10
10:40 Uhr
16

Weihnachtliche Verkehrserziehung

Seit Sankt Martin sind wir gut beschäftigt: Adventssingen, Nikolausfeiern, Bastelvormittage, Bastelnachmittage, Bastelabende, Weihnachtsfeiern – und das mal drei, bei einem Schulkind und zwei Kita-Kindern, die in unterschiedliche Gruppen gehen. Dazu kommt dann noch die Logistik: warme Getränke und Kuchen und Plätzchen. Selbstgebacken, selbstverständlich, oder man braucht eine vernünftige Ausrede: „Wir haben grade keine eigenen mehr, gestern bei der Musikschule, da sind die gefuttert worden wie nichts.“

Bescherung

Tür auf: Gleich ist Bescherung!

Aber, kneifen will man ja auch nicht. Schließlich wird entweder etwas für die Kinder vorbereitet (Adventskalender!); oder die Eltern sollen zusammen mit den Kindern etwas vorbereiten (Deko für das Klassenzimmer!); oder die Kinder haben etwas vorbereitet (Weihnachtslieder oder Vogelfutter, mit dem dann feierlich ein Tannenbaum geschmückt werden soll).
Schön, wenn in diese winterliche Monothematik ein bisschen Abwechslung kommt. Durch einen Elternabend zur „Verkehrs- und Mobilitätserziehung“ plus am Tag drauf sich anschließender gemeinsamer Verkehrsbegehung von Polizisten, Eltern und Kindern. Auf die die Kinder morgens durch Puppentheater eingestimmt wurden.

Wer sich nicht anschnallt, fliegt raus

Marsmännchen Rocco kommt auf die Erde und muss die deutschen Verkehrsregeln lernen. Zum Beispiel sitzt Rocco auf einem Rollbrett und fährt vor ein Hindernis, unangeschnallt. „Rausgeflogen ist der, Mama. Wie ´ne Rakete. Das war cool.“

Und auch wir Eltern haben einiges gelernt:
Wir haben uns alle an den Bordstein gehockt, um uns klar zu machen, wie wenig man als 1,13 m großer Mensch eigentlich sieht vom Verkehr. Aber auch, um zu merken, dass 1,13 m eine gute Höhe ist, um den Außenspiegel eines vorbeifahrenden Autos ins Gesicht zu kriegen. Weswegen es besser ist, nicht am Bordstein stehen zu bleiben, sondern ein bisschen davor.
Wir haben nach neuen Worten für „rechts“, „links“ oder „Bürgersteig“ gesucht, unter denen sich Kinder besser etwas vorstellen können: „Häuserseite“, „Straßenseite“ oder „Gehweg“ zum Beispiel. Denn kleine Kinder denken in Bildern – deswegen gewinnen sie auch immer beim Memory.

Wir haben uns erklären lassen, dass eigene Erfahrungen wichtig sind, damit die Kinder „verkehrskompetent“ werden. Dass Verbote und zu viel Behüten eher schaden und dass das Erleben kleiner Risiken vor großen Unfällen schützen kann . Dass wir Eltern also mit unseren Kindern viel zu Fuß und später dann mit dem Fahrrad unterwegs sein und jede Hoffeinfahrt zum Üben nutzen sollen – und nicht „schnell mal eben“ jeden Weg mit dem Auto erledigen.

Zu Fuß zur nächsten Weihnachtsfeier

Also: wenn Sie fünf Gestalten auf einer Verkehrsinsel stehen sehen, vermummt und eingeschneit, beladen mit Thermoskannen, Plätzchendosen und Taschen voller Liederzettel, Kostüme, Instrumente und Bastelsachen – wir sind´s nur. Auf dem Weg zur nächsten Weihnachtsfeier.

Und eine Bitte an die Autofahrer: Halten Sie nicht an! Und wenn doch, dann bitte nicht ausfallend werden oder Vogelzeigen, denn wir werden Sie energisch weiter winken müssen. Denn auch das hat uns der Polizist erklärt: „Kinder können Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht einschätzen, wegen ihrer Körpergröße kaum Blickkontakt aufnehmen mit dem Autofahrer und deswegen nie sicher sein, ob jemand wirklich hält. Oder ob hinter ihm nicht ein ungeduldiger Mensch zum Überholen ansetzt, weil er das kleine Kind am Straßenrand gar nicht sieht und sich wundert, warum sein Vordermann so trödelt.“

Und deswegen machen wir es genau so, wie der Polizist gesagt hat: „Vor dem Bordstein bleib ich steh´n, nach jeder Seite zweimal seh´n und erst, wenn ALLES WIRKLICH FREI ist, darf ich gehen.“

Schmücken des Weihnachtsbaums

Schmücken des Weihnachtsbaums

Infos und Broschüren zum Thema Kinder und Verkehrssicherheit gibt es beim Deutschen Verkehrssicherheitsrates unter www.dvr.de  oder beim ADFC (www.adfc.de ).

Ein schönes Bilderbuch zum Anschauen, Rekapitulieren und Vorlesen ist „Tiger und Bär auf großer Tour“ von Janosch (Beltz, 9,95 €).

Dez '10
11:50 Uhr
09

Wenn Opa aus dem Rahmen fällt

„Opa wird wieder wie ein kleines Kind“, so hatte mir meine Mutter es erklärt. Damals, als Demenz noch „Verkalkung“ hieß. Ich war fünf oder sechs, glaube ich, und mir hat es gereicht als Erklärung für sein seltsames Verhalten.

Und jahrelang habe ich nicht mehr daran gedacht.

Bis vor ein paar Tagen. Ich habe für die aktuelle Ausgabe von Yango über demenzkranke Großeltern geschrieben und zusammengestellt, wie man sich Dementen gegenüber am besten verhält. Nämlich so: Langsam und deutlich reden, sie dabei anschauen oder ihnen die Hand auf den Arm legen, konkret sagen, was man möchte; sich nicht auf Diskussionen einlassen, nachgeben oder ablenken.

Da dachte ich: wie bei bei einem kleinen Kind.

Halt geben und Verständnis zeigen: Damit können Familien dafür sorgen, dass sich sowohl Demente als auch die Angehörigen trotz aller Umstände wohlfühlen.

Halt geben und Verständnis zeigen: Damit können Familien dafür sorgen, dass sich sowohl Demente als auch die Angehörigen trotz aller Umstände wohlfühlen.

Wie bei kleinen Kindern
Bei denen sollen wir Eltern ja auch auf Augenhöhe gehen, damit sie merken, dass sie überhaupt gemeint sind, wenn wir sagen: „Wir wollen gleich los“. Und dass es noch besser ist, wenn ich konkret sage, was ich damit meine. Nämlich: „Pack deine Tupperdose in den Rucksack und zieh dir schon mal die Schuhe an.“

Allerdings hinkt der Vergleich ein bisschen. Kinder soll man durchaus freundlich und geduldig behandeln, finde ich, aber eben nicht immer nachgiebig. Sie müssen ja auch lernen, dass das Leben an sich und auch andere Menschen nicht immer so sind wie sie es gerne hätten.

Demente aber können nichts mehr lernen. Sie verlieren durch ihre Krankheit nach und nach jede Orientierung und Kontrolle: Muss ich zur Arbeit oder nicht? Wohne ich hier?  Wer sind dann all die anderen Menschen in meiner Wohnung? Wer bin ich überhaupt?

Ist es da verwunderlich, dass Demente oft nervös sind, ängstlich, weinerlich, unruhig und immer unterwegs, als würden sie etwas suchen? Dass sie sich wehren, wenn sie von  Menschen, die ihnen fremd sind - weil sie vergessen haben, dass sie sie kennen - ausgezogen und unter die Dusche gestellt werden? Vielleicht sind all diese „Weglauftendenzen“ und „herausfordernden Verhaltensweisen“ gar keine echten Demenz-Symptome? Sondern die Reaktion der Kranken auf die Art und Weise, wie mit ihnen und ihrer Orientierungslosigkeit umgegangen wird?

Und vielleicht dienen auch all die  Behandlungen gar nicht direkt dem Kranken, das Ruhigstellen mit Psychopharmaka, das Einsperren, ans Bett fixieren? Sondern uns, den Anderen, den Gesunden, die es nicht gut aushalten können, wenn jemand aus dem Rahmen fällt, dessen, was die Gesellschaft als normal ansieht.

Was ist normal, was ist natürlich?
Und da bin ich dann doch wieder bei Kindern. Und zwar bei denen, die man heute sehr freundlich und politisch korrekt „verhaltensoriginell' nennt. Aber die man doch nur mit allerlei Fördermaßnahmen und im Zweifel gleich mit Ritalin zu verändern versucht. So, dass auch sie in dem Rahmen bleiben, der heute als normal gilt.

Nämlich zum Beispiel ruhig und konzentriert vier, fünf, acht Stunden in Schule und Betreuung zu funktionieren. Und nicht laut zu sein, ungestüm, voller Ideen und Bewegungsdrang und interessiert an allem, was drumherum passiert.  

Aber: Auch nach sieben Jahren Therapie wird aus einem Pinguin keine Giraffe, so hat es der Kabarettist Eckart von Hirschhausen formuliert. Er bleibt ein Pinguin, im Zweifel ein unglücklicher.

Ob es auch anders ginge? Ob - mit viel Verständnis und Verstehen auf allen Seiten - jeder so sein und so bleiben könnte, wie er ist? Wir den 'normalen' Rahmen unserer Gesellschaft so erweitern könnten, dass jeder darin Platz hat, ohne anzuecken oder herauszufallen?

Wahrscheinlich nicht, auch wenn es schön wäre. Wahrscheinlich reichen weder Geld, Zeit und Kraft, und womöglich wollen wir es auch gar nicht.

Aber das sollten wir dann auch ehrlich sagen, finde ich. Wenn mein Kind oder mein Opa oder sonst jemand aus dem Rahmen fallen, dann liegt es daran, dass der Rahmen für sie zu eng ist. Und nicht, dass sie falsch, krank oder einfach zu anders sind für den Rahmen. Denn nur weil etwas nicht normal ist, heißt es noch lange nicht, dass es nicht natürlich ist.  

Mehr zum Thema finden Sie hier.

Demenz:
www.deutsche-alzheimer.de   - Internetseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaftliche
Für Jugendliche bei www.alzheimerandyou.de und für Kinder bei www.afi-kids.de

ADS / ADHS:
Eine gute Broschüre zum Thema Hyperaktivität kann man sich hier herunterladen, viele weitere Infos unter www.adhs.de

Hirschhausens Pinguin-Prinzip:

www.hirschhausen.com und www.youtube.com/watch?v=Az7lJfNiSAs

Dez '10
18:42 Uhr
02

Im Zweifel einfach mal die Klappe halten

Sie kennen die sicher auch, all die guten Ratschläge, die verschiedene Einrichtungen - von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung bis zur Deutschen Unfallkasse - über Tageszeitungen und Apothekenblättchen an die deutschen Eltern austeilen. Gut gemeint sicherlich, um das Leben mit unseren Kindern zu erleichtern und zu verbessern. (So heißt es zum Beispiel auf einer Homepage). Und zwar sollen Väter mehr vorlesen und Mütter beim Stillen keine heißen Tee trinken, wegen der Verbrühungsgefahr, wenn das Baby mal zappelt. Pausenbrote sollen wir Eltern schon abends schmieren, wegen der morgendlichen Hektik und wenn das Kind Medikamente nehmen muss, müssen wir Sicherheit ausstrahlen: dann nimmt es sie gerne und sie wirken besser. Bei den Hausaufgaben brauchen wir „das richtige Maß an Kontrolle“, im Kindergarten ein „ zügiges Abschiedsritual“ und einer Zwölfjährigen sollten wir nicht verbieten, geschminkt zur Schule zu gehen.

An der Supermarktkasse

An der Supermarktkasse

„Erziehungstipps ignorieren“

Vergangene Woche war eine dieser Mitteilungen überschrieben mit: „Erziehungstipps ruhig ignorieren“. Sollte damit etwa gemeint sein, wir Eltern sollen all diese Ratschläge nicht mehr beachten, geschweige denn lesen? Ich meine, wirklich helfen tun die Tipps, mit denen Pädagogen ihnen unbekannten Eltern erklären wollen, wie die unter deren ganz persönlichen Lebensbedingungen mit einem völlig einzigartigen Kind umgehen sollten, ohnehin nicht.

Ich habe dann natürlich doch weiter gelesen, und so war es natürlich auch gar nicht gemeint. Es ging nicht um die Ratschläge von Erziehungsexperten, sondern um die von so genannten „Dritten“ (statistisch meist Bessermütter oder -väter im großelternfähigen Alter); die bekommen wir Eltern ja auch noch reichlich.

„Was wird dazu wohl der Nikolaus sagen?“

Der Klassiker: das Kind tobt an der Supermarktkasse, nennt seine Mutter „Blödestemamaderweltaltesau“ - weil es kein Überraschungsei gekauft bekommt.
„Das hätte meiner nicht mit mir gemacht.“
„Da müssten Sie aber mal ein ernstes Wort sprechen.“
„Das würde ich mir aber nicht bieten lassen.“
„Was wird da wohl der Nikolaus sagen?“
„Lassen Sie ihn ruhig, Jungs sind manchmal so.“
„Sie dürfen jetzt nicht nachgeben und ihm das Ei kaufen.“
„Kaufen Sie ihm doch das Ei.“
„Soll die Tante dir das Ei kaufen?“
Das alles soll ich „ignorieren“ hieß es in dem Text, es sei denn, es würde freundlich vorgebracht, für solche Ratschläge, auch wenn sie nichts nützen, könne man sich durchaus bedanken.

Einfach mal die Klappe halten

Ich habe eine bessere Idee: Die Dritten verkneifen sich ihre Bemerkungen, die unfreundlichen sowieso und die freundlichen am Besten auch. Etwas wirklich Hilfreiches in einer solchen Situation gibt es eigentlich nicht; am meisten hilft mir ein verständnisvoller Blick oder eine Hand, die den Einkaufswagen in der Kassenschlange weiterschiebt und vielleicht die Waren schon mal aufs Band lädt. Während ich das Kind daran hindere, die Überraschungseier zu zertrümmern, die ich ihm nicht kaufen will.
DAS würde mir das Leben leichter machen. Und das könnten die verschiedenen Einrichtungen gerne per Apothekenblättchen an die so genannten Dritten verteilen.

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

tags

Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31