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Fackedumm
Meine Kinder spielen öfter Ich-bin-Hu-Tuckmer-und-du-Sam-Player. Ich dachte, irgendwelche KiKa-Figuren oder Laserschwertkämpfer, ich kenne mich da nicht so aus. Dazu singen sie immer eine bestimmte
Melodie - die erkannte ich irgendwann, als ein Lied von Lena: „Who took my cassetteplayer“ – das hören wir oft beim Aufräumen – und mir wurde klar, wer Hu Tuckmer und Sam Player sind.
Und: Mir fiel wieder ein, dass meine Schwester und ich früher oft „fackedumm“ sagten, aus dem Titellied der Sesamstraße: „Wieso, weshalb, warum – wer ist fackedumm?“ Ich habe dann gegoogelt: Es gibt mehrere Einträge bei Wikipedia, Chats, Listen der lustigsten oder poetischsten Verhörer und ganze Bücher: ein „Handbuch des Verhörens“ mit dem Untertitel „Der weiße Neger Wumbaba“ (eigentlich „der weiße Nebel wunderbar“ aus „Der Mond ist aufgegangen“), oder das Kinderbuch „Luftabong und Popapier“ (Klett-Kinderbuchverlag).
Dass man sich verhört, passiert nicht nur Kindern. Aber warum nehmen die offensichtlich Sinnloses hin? Und entdecken manchmal erst als Erwachsene, wie es wirklich heißt? Kinder haben halt noch so viel Fantasie? Ich glaube, es ist eher andersrum: Für Kinder ist die Welt einfach rätselhaft und unverständlich. Sie sind daran gewöhnt, dass Erwachsene „gleich“ sagen und „jetzt nicht“ meinen. Oder bei jedem Essen wenigstens eine „Kotzprobe“ verlangen. So sind sie halt, denken die Kinder vermutlich. Und nicht: Kotzprobe – wie fackedumm.
Bildung aus Büchern
Liebe Verbraucherschützer, jetzt, wo ihr die Lebensmittel-Kennzeichnung durch habt, könntet ihr Euch da mal um die Bücher kümmern? Da ist nämlich auch nicht immer drin, was draufsteht: „... hier erfährt Ihr Kind, wie ein Landwirt lebt und arbeitet“, so oder ähnlich heißt es zum Beispiel im Klappentext der „Entdecke-den-Bauernhof“-Bücher. Ob es jemals in der Landwirtschaft so idyllisch zuging wie im Sach-Bilderbuch – ich weiß es nicht. Nur: heutzutage ganz bestimmt nicht, oder? Auch nicht beim Biobauern.
Oder die Piraten. Die werden den Kindern als Robin Hoods der Weltmeere verkauft. „Cool“. Sagt mein Sohn. Besonders wenn es dazu noch Lieder und Bastelanleitungen gibt wie in „Käpt’n Sharky’s Handbuch für Piraten“ (Coppenrath, 9,95 Euro). Dass die Sache mit den echten Piraten vor der afrikanischen Küste und der Deutschen Marine, die dort zur „Piratenabwehr“ stationiert wurde, nicht ganz so cool ist: Muss ich ihm das selber erklären?
Oder all die Naturführer. „Spuren suchen“ (Velber, 12,95 Euro) zum Beispiel: Darin werden wilde Tiere beschrieben, es wird gezeigt, wie das alles so aussieht in freier Wildbahn. Nur gibt es immer weniger freie Wildbahn – Wildschweine oder Eichhörnchen hinterlassen ihre Fährten in Parks oder im Hof bei den Mülltonnen. Kleinlich? Dass Bücher fantastische Geschichten oder lustigen Quatsch erzählen, dagegen habe ich nichts. Nur dass sie so tun, als seien sie Sach-Bilderbücher, das will ich nicht.

