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Alles nur Theorie...
Okt '10
16:50 Uhr
29

Magen-Darm-Infekte und ihre hauswirtschaftlichen Herausforderungen

Magenschmerzen bei Kindern muss man ernst nehmen.

Magenschmerzen bei Kindern muss man ernst nehmen.

Wir haben Magendarm. Oder den Flotten Otto, Würfelhusten, Brechdurchfall, die Spuckerei und welche lustigen, beschönigenden und lautmalerischen Bezeichnungen es dafür noch so alle gibt. Naja, heute hat man ja eher den Noro-Virus, Rotaviren, Salmonellen oder zumindest eine anständige Lebensmittelvergiftung. Man kann ja alles testen lassen heutzutage beim Arzt. Allerdings ist mir die Nähe einer Toilette momentan wichtiger als unsere Krankheit mit wissenschaftlich korrektem Namen ansprechen zu können.

Wann trocknet ein Kind aus, wann wird esgefährlich?

Damals vor sieben Jahren, als unser erstes Baby fünf Monate alt war und sich das erste Mal übergeben musste, wurde uns Himmelangstundbange. Durchfall und Erbrechen, davor haben Eltern eine Urangst, glaube ich. Wie vor Spinnen und Schlangen. Ewige Zeiten sind Kinder daran einfach gestorben und in vielen Ländern der Welt passiert das heute noch tagtäglich.Jedenfalls wünschte ich mir in diesen Stunden nichts mehr als eine medizinische Zusatzausbildung, zum Beispiel um eindeutig erkennen zu können, wenn der Zustand meines Kindes von „k.o.“ zu apathisch wechseln würde.

Medizinische Aufrüstung

Das Kind hat überlebt, problemlos, würde ich im Nachhinein sagen. Ich buchte noch ein bisschen unter Schock Erste-Hilfe-Kurse, kaufte Gesundheitsratgeber und arbeitete mich durch die verschiedenen Jahrgänge der Zeitschrift Ökotest: aus den verschiedenen Mittelchen wollte ich selbstverständlich nur das jeweils „sehr gute“ in meine profimäßige Ausmaße bekommende Hausapotheke aufnehmen.

Mittlerweile, nach gefühlt 50 und gezählt 9 Magendarmgeschichten in der mittlerweile fünfköpfigen Familie ist die Abteilung Verdauung in der Hausapotheke auf Iberogast-Tropfen und Blaubeertee geschrumpft. Und meine Einstellung ist nüchterner geworden: In Deutschland stirbt ein Kind an so etwas nicht so schnell, schon gar nicht, wenn es fit genug ist, um drei Stunden „Der kleine Eisbär“ auf DVD zu schauen.

Der kleine Eisbär

Der kleine Eisbär

Putzlappen statt Pillen

Fortbildungsbedarf sehe ich eher in der hauswirtschaftlichen Seite: Ist es besser das Zeug in Dielenritzen trocknen zu lassen oder besser mit viel Wassernachzuspülen? Wie viele Milliliter produziert so ein kinderüblicher Durchfall und in welchen zeitlichen Abständen droht das Töpfchen überzulaufen? Wie bringt man Kinder dazu, den Eimer am Bett auch zubenutzen? Und, wenn es nicht geklappt hat: Kann die Bettwäsche mit Plocken in die Waschmaschine?

Von den Gesundheitsrategebern ist mir einer geblieben:

„Gesundheitfür Kinder: Moderne Medizin –Naturheilverfahren –Selbsthilfe“, von Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, und Dr. med.Arne Schäffler.

Ich verschenke das Buch regelmäßig und kann es auch hier nur wärmstens weiter empfehlen. Dieaktuelle Neuauflage ist gerade erschienen. (29,90 €, Kösel-Verlag).

Okt '10
11:05 Uhr
22

Hochbetten sind für Kinder nicht geeignet

Wir Eltern wollen gerne alles richtig machen. Bei jeder Anschaffung ziehen wir vorher Erkundigungen ein über Funktion, Sicherheit und Schadstoffe, Wiederverkaufswert, Aussehen und den Preis. Und dazu nutzen wir auch gerne Ratgeberartikel aus Zeitungen und Zeitschriften.

Von EN-Nummern und EN-Normen
Drei Mädchen an der Kletterwand zu einem Hochbett

Beim Spielen kann viel passieren - aber Fachleute, Firmen und Politiker denken sich auch immer viel aus, damit Kinder möglichst sicher leben.

Voreiniger Zeit schrieb ich einen solchen Text über Hochbetten. Und fand heraus, dass Hochbetten den Normen EN 747-1:2007 und EN 747-2:2007 genügen müssen. Dann stehen sie sicher und stabil, Ecken und Kanten sind abgerundet und Schrauben abgedeckt. Diese EN-Nummern stehen auf dem Gestell und auf der Gebrauchsanweisung und gerade bei Sonderangeboten oder Aktionsware sollte man darauf achten, dass sie dort wirklich stehen. Dann wollte ich vom zuständigen TÜV-Produktprüfungsexperten wissen, wie man darüber hinaus so ein Hochbett sicher machen könnte. Ob eine Treppe besser sei als eine Leiter? Und welche Art von Absturzsicherung zu empfehlen wäre? Gerade auch für ganz kleine Kinder oder wilde Schläfer.

„Achso“, sagte der, „für Kinder unter sechs sind Hochbetten generell nicht geeignet.“ Viel zu unfallträchtig. Und Tipps unter der Hand gebe er nicht, womöglich würde er verklagt, wenn dann doch was passiert.

Kinder stapeln

Na, vielen Dank. Ich dachte, das wäre der Trick an der Sache. Seine kleinen Kinder zu stapeln, um möglichst lange in der schönen Drei-Zimmer-Altbauwohnung bleiben zu können. Oder ihnen trotz Mini-Kinderzimmer möglichst viel Bodenfläche zum Bauklötzespielen zu bieten. Ganz zu schweigen von all den Nachbarskindern, Nichten und Neffen, die zu Besuch kommen und die Hochbetten-erst-ab-sechs-Jahren-Regel nicht kennen.

Her mit den Alltagsexperten

Theoretisches Expertenwissen würde mich also nicht weiterführen, stellte ich fest. Was ich brauchte, war Alltagswissen: Binsenweisheiten, gesunder Menschenverstand und praktische Erfahrungen von Eltern und Hochbettbauern.

Und das ist das Ergebnis:

⇒ Der Einstieg:

Esgibt richtige kleine Treppen, mit einer Stufentiefe von 18 cm, die sogar mit einem Törchen versperrt werden können; die brauchen natürlich relativ viel Platz. Aber auch Leitern sollen so schlecht nicht sein, gerade für kleinere Kinder. Der Halt läuft nämlich in erster Linie über die Hände; und Leitern nötigen sie zum Zupacken.

Ob Treppe oder Leiter, sie sollte in jedem Fall fest mit dem Bett verbunden sein. Beim schwungvollen Auf- und Absteigen können erhebliche Hebelkräfte entstehen.

Die Einstiegsöffnung sollte 30 bis 40 Zentimeter breit sein – das ist die goldene Mitte zwischen Gut-Durchkommen und Nicht-aus-Versehen-Rausfallen.

Und der Abstand zur Zimmerdecke sollte so groß sein, dass auch die Eltern sich einigermaßen komfortabel dort aufhalten können – zum Betten machen oder falls das Kind mal krank wird.

VomHochbett kann man stürzen.....

⇒ Die Absturzsicherung:

Die besteht oft aus waagerechten Brettern – und lädt zum Klettern geradezu ein, wie ein Gartenzaun; senkrechte Stäbe sind also besser. Oder man spannt ein Netz von der Liegefläche bis zur Decke. Ohnehin sind die in der EN-Norm geforderte 16 cm Absturzsicherung viel zuwenig, egal wie alt die Kinder sind. Das zwei- bis dreifache empfehlen Hochbettbauer, am besten 60 cm. Dann ist die Oberkante der Sicherung höher als der Schwerpunkt des Kindes. Aus Versehen runterfallen – das geht dann nicht mehr.

....und springen

Trotzdem ist eine weiche potentielle Landefläche nicht verkehrt – einflauschiger Teppich, Decken, Kissen und auf keinen Fall kantige Möbel und hartes Spielzeug. Dann können die lieben Kleinen auch „Madita-springt-vom-Dach“ spielen, ohne das was passiert. DA bin ich mir sicher, denn meine Kinder haben das netterweise ausprobiert vergangene Woche.

Ja, auch der Zweijährige.

Weitere Informationen:

Allgemeines, Anbieteradressen, Bauanleitungen unter: www.hochbett-portal.de . Günstige Betten gibt es unter www.terra-moebel.de  oder www.taube-jugendmöbel.de ,bei www.billi-bolli.de  eine große Auswahl vom „Beide-Oben-Bett“ bis zum „Vierer-Bett-übers-Eck“.

Okt '10
17:43 Uhr
14

Eltern sind keine Geldautomaten

Einerseits ist das mit dem Taschengeld  ganz einfach: Taschengeld hat seinen pädagogischen Sinn und es gibt gewisse Regeln.

eltern_geldautomaten

Wäre da nicht das ‚Andererseits‘, der Alltag mit einem oder mehreren Kindern. Da gibt es durchaus komplexe Situationen und ich finde es nicht immer leicht, zu entscheiden, welche Regeln in welcher Reihenfolge und Kombination ich am Besten anwenden sollte.

Dazu kommt: Kinder sind Egoisten.

Meinetwegen ist es auch ‚gesunder‘ Egoismus, wie er im Zusammenhang mit den lieben Kleinen meist genannt wird. Tatsache ist: sie stehen den Zielen der Finanzpädagogik eher ablehnend gegenüber. Und das erschwert die pädagogisch korrekte Anwendung der Taschengeldregeln enorm.

Zum Glück habe ich einen kleinen Vorteil.

Ich lese nicht nur Ratgebertexte, sondern ich schreibe sie auch. Und während ich dafür recherchiere, lese und mit Fachleuten telefoniere, kann ich die ein oder andere Frage einschieben, die mich mehr persönlich interessiert als beruflich. Zum Beispiel folgende Situation: Meine Tochter (7) beschließt, sich beim Kiosk um die Ecke ein Eis zu holen. Das kann sie tun, sie geht in die zweite Klasse, bekommt also Taschengeld, davon kann sie kaufen, was sie möchte – auch Eis kaufen, obwohl es bereits eines zum Nachtisch gab. Ihr vierjähriger Bruder will dann auch ein Eis kaufen. Was er nicht tun kann, weil er bereits eines zum Nachtisch hatte und weil er noch zu klein ist, um Taschengeld zu bekommen, mit dem er tun kann, was er möchte.

Der Experte antwortete lange nichts. Und dann: „Da müsste man im Einzelfall schauen.“

Ich fühlte mich mit dieser Antwort etwas abgebügelt – so war es auch gemeint, nehme ich mal an, das Gespräch war danach recht schnell beendet. Im Endeffekt hat es mir aber sehr weitergeholfen, durchaus auch der anfängliche Ärger über all diese Fachleute, die in Kategorien von sorgfältig abgehefteten Kontoauszügen denken und sich an ihrem Schreibtisch überlegen, wie ihnen unbekannte Eltern unter deren ganz persönlichen Lebensbedingungen mit ihren völlig einzigartigen Kindern umzugehen haben. Jawohl, liebe Fachleute, wir sind alle Einzelfälle! Und eure Regeln sind Grundlagen, Denkanstöße. Mehr nicht.

Die Lösung ist also: es gibt keine – nur meine.

Und wie ich mich entscheide, hängt von meiner Lebenseinstellung ab, von meinen Werten, könnte man sagen, auch wenn es ein bisschen staatstragend klingt.

Also: Ich könnte mich an mein Taschengeldkonzept halten – die Große kauft sich ein Eis, der Vierjährige keins. Dann ist der Kleine sauer und das Geschrei ist groß. Will ich das? Prinzipiell? Und auch, weil davon der ganz Kleine aus seinem Mittagsschlaf aufwacht und der Nachmittag gelaufen ist? Ich könnte dem Mittleren ab sofort auch Taschengeld zahlen, auch wenn er eigentlich noch nicht alt genug ist. Oder ich könnte ihm Extra-Eisgeld schenken. Die Große braucht kein Extrageld, weil sie ja Taschengeld hat. Ist das ungerecht? Und was ist dann mit dem Zweijährigen? Der will ja bestimmt ein Eis.

Ja, eine eigenen Lösung zu finden ist ein bisschen anstrengend. Man-macht-das-so-und-basta zu sagen, damit ist es nicht getan.

sparschwein

Selber nachdenken, das muss man dann schon. Und ehrlich sein.

Zum Beispiel: „Heute ist so schönes Wetter, ich will draußen sitzen und lesen und ihr könntet noch mal ins Planschbecken. Ich will keinen Streit, kein Geheule und auch keine Diskussionen. Wie wär´s, wenn ihr euch noch ein Eis aus dem Kühlfach holt?“

Es wurden dann zwei Eis für jeden und alles in allem war es ein wunderschöner goldener Herbsttag.

Ganz ehrlich war ich nicht, muss ich gestehen. Dann hätte ich gesagt: „Ohje, bitte lasst uns jetzt nicht in die Taschengelddiskussion einsteigen! Das haben wir doch wieder seit Wochen vergessen.“ Wir hätten rekapitulieren müssen, wie viele Zahltage ausgefallen sind. Keiner hätte sich genau erinnern können und so wäre es auf einen Abschlag von sieben Euro hinausgelaufen. Damit es dann gleich für ein großes Schleichtier reicht. Und damit es an diesem schönen Herbstnachmittag kein Geschrei gibt, natürlich für alle drei.

Da bin ich so billiger davongekommen.

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

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