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Alles nur Theorie...
Feb '11
15:09 Uhr
03

Ich hasse es, nachts aufzustehen

Bei der Zeitschrift Ökotest gibt es ein neues Heft, „Kinder, Kinder“ heißt es. Es ist der monatlichen Ausgabe beigelegt und zum Herausnehmen und Sammeln gedacht. Unter anderem gibt es die Rubrik „Jein“, in der zwei Eltern ihre zwei  unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema rund um Kinder und Familie darstellen.

Kinder, Kinder

Darf das Kind ins Ehebett?

In der ersten Ausgabe vor ein paar Wochen ging es ums Thema: „Darf das Kind mit ins Ehebett?“ Ja, schrieb die Pro-Frau, so werde das Urvertrauen gestärkt nach neun Monaten im Bauch braucht so ein Baby schließlich auch hier auf der Erde noch ein bisschen Nähe und Wärme und Geborgenheit. Die Contra-Eltern waren der Meinung, dass die Kinder auf keinen Fall im Ehebett schlafen sollen; ihr Erziehungsziel sei es, keine emotionale Abhängigkeit zu schaffen und Kinder seien schließlich keine Kuscheltiere. Dazu gab es dann in der aktuellen Ausgabe einen Leserbrief, dessen Absenderin sich voller Mitleid für die Kinder der Contra-Familie noch mal deutlich für das „Familienbett“  aussprach: Kinder würden gerade durch Geborgenheit selbständig und unabhängig. Und auch im Internet wird das Thema weiter diskutiert: Babys seien halt einfach emotional abhängig, wenn sie zur Welt kommen, da brauche man gar nichts zu schaffen und dem müsse man eben entsprechen, auch nachts. Oder: jedes Kind hat verschiedene Bedürfnisse, dass eine braucht mehr Nähe und das andere will seine Ruhe, und danach müsse man sich richten als Eltern.

Oder braucht es ein Beistellbettchen?

Es wurde auch auf die Möglichkeit eines Beistellbettchens verwiesen: das ist ein an der Seite aufgeschnittenes Gitterbett, das an die elterliche Matratze  angerückt wird – der ideale Kompromiss ist zwischen Babys eigenem Bett und Ehebett. (Kostet ab 150 Euro aufwärts und hält ein paar Monate; damit  werdende Eltern deswegen nicht zurückschrecken vor der Anschaffung, kann man es laut Hersteller hinterher umbauen zum Kindertischchen, Spieltisch, Schreibtisch, zur Sitzbank oder zum Hochstuhl. Ich kenne allerdings niemanden, der so ein Beistellbettchen-Hochstuhl oder ähnliches in Gebrauch hat....)

Noch niemand erwähnte das – wie  ich finde  sehr plausible – Argument, dass seit ewigen Zeiten Eltern und Kinder in einem Bett geschlafen haben und es  fast überall auf der Welt immer noch tun. Weil sie mehr Platz nicht hatten und haben, vermute ich mal. Dass das irgendwie zu klappen scheint ohne seelische und körperliche Schäden für irgendeinen der Beteiligten und dass man sich vielleicht gar nicht so viel Gedanken müsste. Aber natürlich macht man sich Gedanken, weil wir hier in Deutschland im 21. Jahrhundert genug Platz haben und eben auch ausreichend Pro-und-Contra-Argumente.

Im Endeffekt geht es um MEINEN Schlaf  

Auch wir haben uns Gedanken gemacht und uns entschieden, dass die Babys bei uns im Bett schlafen. Das wird auch das neue Baby tun – bis es nachts nicht mehr trinkt und alt genug ist, um bei schlechten Träumen selber zu uns Eltern zu dackeln. Und zwar aus einem einzigen Grund: Ich hasse es, nachts aufzustehen. Für mich ist es der pure Horror, drei mal in der Nacht nach den Puschen zu angeln, durchs Dunkle zu tapern, das Baby aus dem Bettchen zu hieven, mich in einen Sessel zu setzen und es zu füttern – und dabei krampfhaft wach bleiben zu müssen, damit ich das Kleine nach dem Stillen wieder ordnungsgemäß in sein Bett legen und dann zurück in mein eigenes schlurfen kann.
Nein. Kind anlegen, wenn es quäkt – und alle schlafen weiter. Fertig.
Der Wecker klingelt früh genug.

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

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