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Weihnachtliche Verkehrserziehung
Seit Sankt Martin sind wir gut beschäftigt: Adventssingen, Nikolausfeiern, Bastelvormittage, Bastelnachmittage, Bastelabende, Weihnachtsfeiern – und das mal drei, bei einem Schulkind und zwei Kita-Kindern, die in unterschiedliche Gruppen gehen. Dazu kommt dann noch die Logistik: warme Getränke und Kuchen und Plätzchen. Selbstgebacken, selbstverständlich, oder man braucht eine vernünftige Ausrede: „Wir haben grade keine eigenen mehr, gestern bei der Musikschule, da sind die gefuttert worden wie nichts.“
Aber, kneifen will man ja auch nicht. Schließlich wird entweder etwas für die Kinder vorbereitet (Adventskalender!); oder die Eltern sollen zusammen mit den Kindern etwas vorbereiten (Deko für das Klassenzimmer!); oder die Kinder haben etwas vorbereitet (Weihnachtslieder oder Vogelfutter, mit dem dann feierlich ein Tannenbaum geschmückt werden soll).
Schön, wenn in diese winterliche Monothematik ein bisschen Abwechslung kommt. Durch einen Elternabend zur „Verkehrs- und Mobilitätserziehung“ plus am Tag drauf sich anschließender gemeinsamer Verkehrsbegehung von Polizisten, Eltern und Kindern. Auf die die Kinder morgens durch Puppentheater eingestimmt wurden.
Wer sich nicht anschnallt, fliegt raus
Marsmännchen Rocco kommt auf die Erde und muss die deutschen Verkehrsregeln lernen. Zum Beispiel sitzt Rocco auf einem Rollbrett und fährt vor ein Hindernis, unangeschnallt. „Rausgeflogen ist der, Mama. Wie ´ne Rakete. Das war cool.“
Und auch wir Eltern haben einiges gelernt:
Wir haben uns alle an den Bordstein gehockt, um uns klar zu machen, wie wenig man als 1,13 m großer Mensch eigentlich sieht vom Verkehr. Aber auch, um zu merken, dass 1,13 m eine gute Höhe ist, um den Außenspiegel eines vorbeifahrenden Autos ins Gesicht zu kriegen. Weswegen es besser ist, nicht am Bordstein stehen zu bleiben, sondern ein bisschen davor.
Wir haben nach neuen Worten für „rechts“, „links“ oder „Bürgersteig“ gesucht, unter denen sich Kinder besser etwas vorstellen können: „Häuserseite“, „Straßenseite“ oder „Gehweg“ zum Beispiel. Denn kleine Kinder denken in Bildern – deswegen gewinnen sie auch immer beim Memory.
Wir haben uns erklären lassen, dass eigene Erfahrungen wichtig sind, damit die Kinder „verkehrskompetent“ werden. Dass Verbote und zu viel Behüten eher schaden und dass das Erleben kleiner Risiken vor großen Unfällen schützen kann . Dass wir Eltern also mit unseren Kindern viel zu Fuß und später dann mit dem Fahrrad unterwegs sein und jede Hoffeinfahrt zum Üben nutzen sollen – und nicht „schnell mal eben“ jeden Weg mit dem Auto erledigen.
Zu Fuß zur nächsten Weihnachtsfeier
Also: wenn Sie fünf Gestalten auf einer Verkehrsinsel stehen sehen, vermummt und eingeschneit, beladen mit Thermoskannen, Plätzchendosen und Taschen voller Liederzettel, Kostüme, Instrumente und Bastelsachen – wir sind´s nur. Auf dem Weg zur nächsten Weihnachtsfeier.
Und eine Bitte an die Autofahrer: Halten Sie nicht an! Und wenn doch, dann bitte nicht ausfallend werden oder Vogelzeigen, denn wir werden Sie energisch weiter winken müssen. Denn auch das hat uns der Polizist erklärt: „Kinder können Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht einschätzen, wegen ihrer Körpergröße kaum Blickkontakt aufnehmen mit dem Autofahrer und deswegen nie sicher sein, ob jemand wirklich hält. Oder ob hinter ihm nicht ein ungeduldiger Mensch zum Überholen ansetzt, weil er das kleine Kind am Straßenrand gar nicht sieht und sich wundert, warum sein Vordermann so trödelt.“
Und deswegen machen wir es genau so, wie der Polizist gesagt hat: „Vor dem Bordstein bleib ich steh´n, nach jeder Seite zweimal seh´n und erst, wenn ALLES WIRKLICH FREI ist, darf ich gehen.“
Infos und Broschüren zum Thema Kinder und Verkehrssicherheit gibt es beim Deutschen Verkehrssicherheitsrates unter www.dvr.de oder beim ADFC (www.adfc.de ).
Ein schönes Bilderbuch zum Anschauen, Rekapitulieren und Vorlesen ist „Tiger und Bär auf großer Tour“ von Janosch (Beltz, 9,95 €).

