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Alles nur Theorie...
Mai '11
11:20 Uhr
19

Die Elstermütter

Seit einigen Wochen bin ich ja wieder sehr regelmäßig mit Kinderwagen unterwegs. Natürlich auch zum Einkaufen. Das ist sehr praktisch, hat man doch gleich seinen Einkaufswagen dabei. Seitdem bin ich wieder ganz automatisch Mitglied bei den AKM geworden, bei den „Aus Versehen klauenden Müttern“, im Volksmund auch die „Elstermütter“ genannt. Ich weiß, dass es sie gibt und dass ich nicht die Einzige bin! Auch wenn sie öffentlich nicht in Erscheinung treten, noch nicht mal im Internet in Foren darüber diskutieren …. obwohl Netmoms und Co sonst über alle Themen konferieren, die ansatzweise mit der Kinderaufzucht zu tun haben: Darf man Haustiere bewichteln? Wie wird man Kettenbriefe wieder los? Sind Puky-Räder ihr Geld wert?

Schwere Sachen ab unter den Kinderwagen

Supermarkt-Einkauf

Aber mal ehrlich, das kennen Sie doch bestimmt auch: Man schiebt  durch die Gänge, Bananen und Tomaten, Butter und Joghurt und auch die Packung Toastbrot verstaut man  in der Wagentasche am Lenker oder oben auf dem Kind. Aber dann? Die Milch, das Katzenfutter, die zwei Packungen Vanilleeis? Die sind zu schwer, zu unhandlich – also ab damit ins Netz unter den Wagen. Und da liegen sie hin und wieder noch, wenn ich zu Hause ankomme...
Weil das Kind anfing zu weinen und ich es eilig hatte, weg zu kommen. Und auch die Kassiererin wollte wohl die Geräuschemissionen nicht länger als nötig an der Kasse haben und hat nicht gründlich genug nachgeschaut. Vielleicht strahlt ein Kinderwagen auch eine solche Unschuld aus, dass sich niemand vorstellen kann, dass damit gerade Diebesgut durch den Ausgang geschmuggelt wird ... ich weiß es nicht.

Fahrlässig, fahrlässig.....

Ich weiß auch nicht, wie dieser Tatbestand juristisch korrekt heißt: „fahrlässiger Ladendiebstahl“ vielleicht? Und gibt es dann auch „fahrlässige Anstiftung zum fahrlässigen Ladendiebstahl“?
Denn sehr zu meinem Leidwesen machen auch meine älteren Kinder manchmal mit: Während ich an der Truhe stehe, um alle Pizzawünsche zusammenzusuchen (Funghi von Dr. Oetker, Salami von Wagner, Spinat von irgendjemandem, aber ohne Knoblauch und zweimal Margherita, einmal mit Mozzarella, einmal ohne) lassen sie geschickt zwischen den Babydecken verschwinden, was sie so zu brauchen meinen:  Zahnpasta mit Wicki drauf, bunte Eier, Gewürzgurken, Gummibärchen und Glanzbildchen.

Das teuerste, was wir mal geschafft haben, war ein große Flasche Lavendel-Badeöl von Weleda. Das beichte ich jetzt einfach mal – keine Sorge, ich habe mich vorher erkundigt: Diebstahl verjährt nach fünf Jahren und diese Zeit ist lange um, außerdem wohnten wir da noch in Süddeutschland und natürlich bezahle ich immer nach, beim nächsten Einkauf.

Robin Hood oder einfach nur diebische Elster

Sowieso wäre ich schon genug gestraft damit, dass es mir so peinlich ist. Das Öl habe ich nämlich in einem kleinen, netten, inhabergeführten Bioladen „geklaut“. Klar, Klauen ist Klauen streng juristisch, aber moralisch wäre es doch ein bisschen anders, wenn es einem bei Lidl oder Rewe passiert. Oder bei irgendeinem anderen Großkapitalisten, der seine Mitarbeiter überwacht und schikaniert und Milchbauern, Brötchenbäcker  und andere Zulieferer ausquetscht. Robin-hood-mäßiger irgendwie. Oder?

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

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