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Geburtshelferinnen sterben aus
Ideal für Gebärende ist eine Begleiterin, die ihnen vertraut ist und ihnen von der ersten Wehe bis zum ersten Anlegen des Babys kompetent und ganz persönlich zur Seite steht. Das ist eine Erkenntnis aus der Recherche für den von mir geschriebenen Text und eine Erkenntnis, die ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
Für diesen Idealzustand müssen sich Schwangere eine Hebamme suchen. Eine, die neben Vorsorge und Nachsorge, Gymnastik und Stillberatung, Akupunktur, Babymassage und Breikochkurs auch noch ihr Kerngeschäft betreibt, Geburtshilfe nämlich. Mit dieser Suche muss man rechtzeitig anfangen. Erstens, damit man Zeit hat sich gegenseitig kennen zu lernen und eben miteinander vertraut zu werden. Und zweitens um noch einen „Platz“ zu bekommen. Denn viele dieser Hebammen nehmen nur eine bestimmte Zahl Frauen an – damit sie eben ausreichend viel Zeit und Kraft für jede einzelne haben.
Hebamme zu sein kann man sich fast nicht leisten
Das ist gar nicht so einfach. Auf dem Lande war es schon immer eher schwierig, es wird immer schwerer und könnte bald ganz unmöglich sein: Denn immer mehr solche 'freien' (nicht in einer Klinik angestellten) Hebammen hören auf, Geburtshelferin zu sein; oder fangen nach ihrer Ausbildung gar nicht erst damit an – weil sie sich ihre Berufshaftpflichtversicherung nicht mehr leisten können. Die ist im vergangenen Jahr teilweise um das 30-fache gestiegen, auf mehrere tausend Euro pro Jahr.
Nicht, weil es auf einmal mehr Schadensfälle gibt, wie sich im Versicherungsjargon Kinder nennen, die durch die Umstände ihrer Geburt krank oder behindert sind. Auch nicht, weil alle Eltern meinen, Anspruch auf ein gesundes Kind zu haben, nach den ganzen Folsäuretabletten, der Koffeinabstinenz und den Ultraschallterminen, weil wir mit den Begriffen „guter Hoffnung“ und „Schicksal“ nichts mehr anzufangen wissen und nach einem Schuldigen suchen, wenn unser Kind irgendetwas anderes als „Hauptsache gesund“ ist.
Wird ein Kind zum „Schadensfall“, kann es Millionen kosten
Im Zweifel will einfach unsere Krankenkasse nicht bezahlen für das kranke Kind, und versucht, sich das Geld woanders zu holen: bei der Hebamme – wenn die nicht stichfest beweisen kann, alles richtig gemacht zu haben, nicht womöglich etwas zu viel, zu wenig, zu früh oder zu spät – bzw. bei deren Haftpflichtversicherung. Und weil es nicht nur um Rollstühle, Medikamente und Ergotherapien geht, sondern die Gerichte mehr und mehr den Eltern und dem Neugeborenen auch Schmerzensgeld und lebenslang berechneten Verdienstausfall zusprechen, kommen schnell Millionen zusammen.
Und dann erhöhen eben die Haftpflichtversicherungen ihre Beiträge.
So einfach ist das.
Aber: das Geld muss man erst mal verdienen
Aber schwer für die Hebammen. Sie müssen am 1.Januar gleich ein paar Tausend Euro überweisen, ohne überhaupt schon Geld eingenommen zu haben. Sie müssen im Schnitt zwölf Geburten betreuen, um nur die Haftpflichtversicherung zu bezahlen. Und dann noch eine ganze Menge mehr, um zu essen, das Auto vollzutanken, für ihre Rente etwas zurücklegen, ihren Kindern Schuhe zu kaufen. Viele freie Hebammen geben deshalb ihren nicht ganz unanstrengenden Beruf auf, überlassen die Geburtshilfe dem Schichtsystem von Krankenhäusern und beschränken sich eben auf Vorsorge und Nachsorge, Gymnastik und Stillberatung, Akupunktur, Babymassage und Breikochkurs.
Prinzipiell finde ich das verständlich.
Aber für uns Mütter ist das natürlich Pech.

