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Alles nur Theorie...
Okt '10
11:05 Uhr
22

Hochbetten sind für Kinder nicht geeignet

Wir Eltern wollen gerne alles richtig machen. Bei jeder Anschaffung ziehen wir vorher Erkundigungen ein über Funktion, Sicherheit und Schadstoffe, Wiederverkaufswert, Aussehen und den Preis. Und dazu nutzen wir auch gerne Ratgeberartikel aus Zeitungen und Zeitschriften.

Von EN-Nummern und EN-Normen
Drei Mädchen an der Kletterwand zu einem Hochbett

Beim Spielen kann viel passieren - aber Fachleute, Firmen und Politiker denken sich auch immer viel aus, damit Kinder möglichst sicher leben.

Voreiniger Zeit schrieb ich einen solchen Text über Hochbetten. Und fand heraus, dass Hochbetten den Normen EN 747-1:2007 und EN 747-2:2007 genügen müssen. Dann stehen sie sicher und stabil, Ecken und Kanten sind abgerundet und Schrauben abgedeckt. Diese EN-Nummern stehen auf dem Gestell und auf der Gebrauchsanweisung und gerade bei Sonderangeboten oder Aktionsware sollte man darauf achten, dass sie dort wirklich stehen. Dann wollte ich vom zuständigen TÜV-Produktprüfungsexperten wissen, wie man darüber hinaus so ein Hochbett sicher machen könnte. Ob eine Treppe besser sei als eine Leiter? Und welche Art von Absturzsicherung zu empfehlen wäre? Gerade auch für ganz kleine Kinder oder wilde Schläfer.

„Achso“, sagte der, „für Kinder unter sechs sind Hochbetten generell nicht geeignet.“ Viel zu unfallträchtig. Und Tipps unter der Hand gebe er nicht, womöglich würde er verklagt, wenn dann doch was passiert.

Kinder stapeln

Na, vielen Dank. Ich dachte, das wäre der Trick an der Sache. Seine kleinen Kinder zu stapeln, um möglichst lange in der schönen Drei-Zimmer-Altbauwohnung bleiben zu können. Oder ihnen trotz Mini-Kinderzimmer möglichst viel Bodenfläche zum Bauklötzespielen zu bieten. Ganz zu schweigen von all den Nachbarskindern, Nichten und Neffen, die zu Besuch kommen und die Hochbetten-erst-ab-sechs-Jahren-Regel nicht kennen.

Her mit den Alltagsexperten

Theoretisches Expertenwissen würde mich also nicht weiterführen, stellte ich fest. Was ich brauchte, war Alltagswissen: Binsenweisheiten, gesunder Menschenverstand und praktische Erfahrungen von Eltern und Hochbettbauern.

Und das ist das Ergebnis:

⇒ Der Einstieg:

Esgibt richtige kleine Treppen, mit einer Stufentiefe von 18 cm, die sogar mit einem Törchen versperrt werden können; die brauchen natürlich relativ viel Platz. Aber auch Leitern sollen so schlecht nicht sein, gerade für kleinere Kinder. Der Halt läuft nämlich in erster Linie über die Hände; und Leitern nötigen sie zum Zupacken.

Ob Treppe oder Leiter, sie sollte in jedem Fall fest mit dem Bett verbunden sein. Beim schwungvollen Auf- und Absteigen können erhebliche Hebelkräfte entstehen.

Die Einstiegsöffnung sollte 30 bis 40 Zentimeter breit sein – das ist die goldene Mitte zwischen Gut-Durchkommen und Nicht-aus-Versehen-Rausfallen.

Und der Abstand zur Zimmerdecke sollte so groß sein, dass auch die Eltern sich einigermaßen komfortabel dort aufhalten können – zum Betten machen oder falls das Kind mal krank wird.

VomHochbett kann man stürzen.....

⇒ Die Absturzsicherung:

Die besteht oft aus waagerechten Brettern – und lädt zum Klettern geradezu ein, wie ein Gartenzaun; senkrechte Stäbe sind also besser. Oder man spannt ein Netz von der Liegefläche bis zur Decke. Ohnehin sind die in der EN-Norm geforderte 16 cm Absturzsicherung viel zuwenig, egal wie alt die Kinder sind. Das zwei- bis dreifache empfehlen Hochbettbauer, am besten 60 cm. Dann ist die Oberkante der Sicherung höher als der Schwerpunkt des Kindes. Aus Versehen runterfallen – das geht dann nicht mehr.

....und springen

Trotzdem ist eine weiche potentielle Landefläche nicht verkehrt – einflauschiger Teppich, Decken, Kissen und auf keinen Fall kantige Möbel und hartes Spielzeug. Dann können die lieben Kleinen auch „Madita-springt-vom-Dach“ spielen, ohne das was passiert. DA bin ich mir sicher, denn meine Kinder haben das netterweise ausprobiert vergangene Woche.

Ja, auch der Zweijährige.

Weitere Informationen:

Allgemeines, Anbieteradressen, Bauanleitungen unter: www.hochbett-portal.de . Günstige Betten gibt es unter www.terra-moebel.de  oder www.taube-jugendmöbel.de ,bei www.billi-bolli.de  eine große Auswahl vom „Beide-Oben-Bett“ bis zum „Vierer-Bett-übers-Eck“.

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

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