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Der Kackofant
Kacka, Pippi, Pupsfurz und Arschi – im Leben von Kindern gibt es eine Entwicklungsphase, in der sie sich intensiv mit ihren Ausscheidungen und den dazugehörenden Körperteilen beschäftigen. Und dann gibt es im Leben von Kindern noch eine weitere Phase, in der sie sich intensiv damit beschäftigen, Wörter zu sagen, bei denen Eltern die Augenbrauen hochgehen oder die Kinnlade herunterfällt. In unserer Familie treffen gerade beide Phasen zusammen: der eine mogelt sich mit jedem auf die Toilette und zwängt das blondgelockte Köpfchen zwischen Klodeckel und Hinterteil, um zu sehen, was da kommt, „Pippi oder Tacki“. Der andere beantwortet alles - das freundliche 'Hallo' der alten Dame von gegenüber oder die Frage, was er aufs Brot will - charmant lächelnd mit „Kackafurzi“.
Wie reagieren?
Als Eltern hat man nun verschiedene pädagogische Möglichkeiten im Angebot:
Schimpfen.
Oder: Das Thema auf gar keinen Fall interessant machen, also möglichst nur kurz oder gar nicht reagieren.
Oder: Erklären. Dass die Nachbarin traurig wird, wenn man ihr so hässliche Worte sag, dass sich das nicht gehört und das niemand von uns gerne Kackafurzi genannt wird.
Oder: Familienrat halten und einführen, dass jeder, der ein solches hässliches Worte sagt, zehn Cent ins Sparschwein stecken muss. ( Kann allerdings teuer werden für Eltern, die gerne mal ihren Sch...lüssel nicht finden oder beim Abendbrot beratschlagen wie grün so ein Neugeborenschiss sein darf).
Mit der Störung gehen
Es gibt noch ein pädagogisches Prinzip und das heißt: „Mit der Störung gehen“ oder „Bedürfnisse anerkennen“. Ich gebe Ihnen mal zwei Beispiele: Zum Beispiel, wenn das Kind seit einer Stunde vor Mathe sitzt, mit glasigen Augen, und noch nicht mal das erste Päckchen fertig hat und davon auch nur etwa ein Drittel richtig – dann hilft Ignorieren, Schimpfen, Erklären überhaupt nichts. Dann muss das Kind einfach mal an die frische Luft. Oder: wenn das Kind malt und malt, auch auf den Fußboden, auf Tische und Wände. Dann hieße „mit der Störung gehen“, das Bedürfnis nach kreativer Gestaltung anzuerkennen und – statt die Stifte aufs oberste Regalbrett zu verbannen – ihm überall und immer ausreichend weißes Papier zur Verfügung zu stellen.
Und jetzt kommt der Kackofant ins Spiel
Und deswegen habe ich uns den Kackofanten besorgt. Der Kackofant ist Hauptfigur eines knallgrünen Buches und optische eine Mischung aus Barbapappa und Elefant. Der Kackofant tut in jeder Lebenslage und auf jeder Buchseite nichts außer einen riesengroßen Haufen zu machen: Um sich gegen den Kackofanten-Jäger zu verteidigen oder als seine Art, einen Sandburg zu bauen, um brennende Häuser zu löschen oder um zu verhindern, dass die gegnerische Mannschaft ein Tor schießt.
Als ich das Buch das erste Mal vorlese, lauschen die Kinder mucksmäuschenstill bis zur letzten Seite. Aber: Kein Lachen, keine Begeisterungsstürme, keine kindlich-anarchische Hemmungslosigkeit, wie sie mir im Klappentext versprochen wurde. Und wie ich es eigentlich erwartet hatte, wenn ich ehrlich bin. Ob ich es noch mal vorlesen soll, frage ich? Ja, doch. Und auch noch ein drittes Mal. Danach zeigt mein Sohn auf einen der Kackofantenhaufen und fragt: „Ist das wirklich, also, hmmmmm, hier im Tor, und auf dem Vulkan, ist das wirklich, ist das alles Scheiße?“ Dass so etwas Seriöses wie ein Buch sich so plump wie ein vierjähriges Kind mit dem Thema auseinandersetzen könnte, damit haben sie wohl nicht gerechnet. Als ich nicke, kommt es endlich: Lachen, Kreischen, Begeisterungsstürme, sie skandieren „Tseiße, Tseiße, Tseiße“ und mittlerweile ist der Kackofant das aktuelle Lieblingsbuch der ganzen Familie geworden; sogar die Omas lesen es vor. Die Kinder erfinden Geschichten dazu, von den Kackofantenkumpels Pippifant und Pupsofant und für zwischendurch gibt es auch noch das „Kackofantenlied“ (http://www.youtube.com/watch?v=tH7UZN9qWLYr
).
Ob´s beim Sauberwerden hilft – keine Ahnung. Der Kick allerdings, „Kacka“, „Pippi“, „Pupsfurzarschi“ zu sagen, ist offensichtlich verschwunden. Wen wollen sie auch noch schocken damit, wenn sogar ihre Eltern beim Spülmaschineausräumen vor sich hin swingen: „Komm, kleiner Kackofant, nimm uns mit ins Kackokackokackofantenland“.
„Der Kackofant“, geschrieben von Klaus Cäsar Zehrer und illustriert von Fil , kostet 13,90 Euro und ist frisch erschienen im Klett Kinderbuch Verlag.

