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Kater Rudi und das neue Kind
Wir bekommen bald unser viertes Kind. Darüber, wie ich es schaffe, das Baby zu füttern und gleichzeitig dem älteren Kind einen Apfel zu schälen, mache ich mir keine Sorgen mehr. Millionen, Milliarden Menschen versorgen mehr als ein Kind gleichzeitig, das soll wohl zu schaffen sein.
Geschwistervorbereitung ist Geschäftemacherei
Jedenfalls habe ich „Geschäftemacherei“ gedacht und gleich weitergeklickt, als ich im Netz über „Kursnachmittage für werdende Geschwister“ gestolpert bin. Das ist natürlich gehässig, denn als ich mit unserem zweiten Kind schwanger war, habe ich mir natürlich Gedanken gemacht: wie kann man die ersten Wochen und Monate ohne Eifersuchtsattacken und blutige Zwischenfälle überstehen? Wie werden aus Brüderchen und Schwesterchen keine Rivalen um die Elternliebe, sondern Freunde fürs Leben? Denn Geschwister hat man schließlich sein Leben lang, auch dann noch, wenn Mama und Papa längst im Pflegeheim sind und die Ehen wieder geschieden. Ich habe Bücher über Geschwisterliebe gelesen und über Geschwisterhass und sogar selber einen Text über das Thema geschrieben.
Allerdings ist jetzt beim vierten Kind etwas anders als beim zweiten und dritten: wir haben einen Kater. Der hat zwar labaradormäßige Geduld mit unseren Kindern und faucht und spuckt auch nicht, wenn sie ihn am Schwanz durch den Garten tragen.
Aber: wie ist das mit Haustieren?
Nur: was wird er zu dem Baby sagen?
Auch eine Katze kann, soll und muss man vorbereiten, habe ich herausgefunden. Wenn ich mag, so empfehlen Katzen-Fachleute, könne ich meinen Kater oft auf dem Babybauch sitzen, schnurren und mitbrüten lassen; so könnte er mit dem Baby schon mal Kontakt aufnehmen und umgekehrt. Andererseits soll ich mich schon während der Schwangerschaft weniger mit ihm beschäftigen, eher im Vorbeigehen mit ihm reden und ihn seltener auf den Arm nehmen. Denn genauso wird es sein, wenn das Baby erst mal da ist und dann kennt er diese Vernachlässigung schon. Und wird dieses „negative Erlebnis nicht mit dem Baby verbinden“, so sagte man mir. Und womöglich eifersüchtig werden und Tische und Stühle und Tapeten zerkratzen oder auf den Teppich pinkeln.
Soll eine Katze nicht mehr ins Schlafzimmer oder ins künftige Kinderzimmer dürfen, wenn das Baby da ist, dann sollte man sie spätestens ab Mitte der Schwangerschaft daran gewöhnen. Damit sie, genau, dieses negative Erlebnis nicht mit dem Baby verbindet und fortan auf den Teppich pinkelt.
Dosierte Vernachlässigung und Geruchsproben
Bevor das Baby nach Hause kommt, sollen wir Kater Rudi einen benutzten Strampler mitbringen, damit er sich schon mal an den Geruch des Babys gewöhnen kann. Und wenn das Baby dann kommt, sollten sich die beiden in echt beschnuppern dürfen. Wir werden Rudi also noch mal gründlich beim Tierarzt untersuchen, entwurmen und impfen lassen – damit wir uns um Gesundheitsfragen keine Sorgen zu machen brauchen. Denn, auch das sagen die Fachleute: Herrchen, Frauchen, Mama und Papa müssen ruhig und sicher bleiben bei dieser ersten Kontaktaufnahme: Ängstlichkeit würde sich auf das Tier und natürlich auch auf das Baby übertragen – und das wäre dann wieder ein negatives Erlebnis.
Millionen Menschen haben es vor mir geschafft
Ansonsten habe ich beschlossen, mich an meinen eigenen Rat zu halten: Millionen, Milliarden Menschen versorgen nicht nur mehrere Kinder gleichzeitig, sondern auch gleichzeitig Haustiere und Kinder – das werde ich dann wohl auch schaffen. Und statt Kater Rudi aufs Baby einzustimmen, kümmere ich mich um das, was meiner Erfahrung nach wirklich hilft in der ersten Zeit mit einem Neugeborenen: vorgekochtes Essen im Gefrierfach zu haben.

