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Alles nur Theorie...
Jan '11
10:35 Uhr
06

Let´s birdwatch

Seit dieser Woche sind wir Birdwatcher, meine Kinder und ich. Noch bis zum Sonntag. Dann endet die diesjährige „Stunde der Wintervögel“, zu der der NABU seit einigen Jahren aufruft: Man  soll eine Stunde lang beobachten, welche und wie viele Vögel im Garten oder im Park zu entdecken sind; das aufschreiben und dem NABU melden. Der will daraus dann Erkenntnisse gewinnen: Wo kommen welche Vögel vor und wo sind sie häufig und wo selten? Mit dem globalen Ziel, herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf die heimische Wintervogelwelt auswirkt – „um so besser kann sich der NABU  dann für den Schutz der Vögel stark machen“, heißt es.

Vogelfutter
Piepshow vor dem Gartenfenster

Ich wollte mitmachen. Der Kinder wegen hauptsächlich. Die sollen sich nicht nur mit Zootieren auskennen und mit Schleichpferden, sondern auch mit echten einheimischen wilden Tieren in echter Wildbahn. Und weil der NABU  offensichtlich seine Zielgruppe kennt, kann man sich als ornithologisch völlig unbedarfte Stadtfamilie gleich noch Bestimmungshilfen, Verwechslungsgefahrenhinweise und idiotensichere Zählscheine aus dem Netz laden.


Nur: wie bekomme ich die Vögel in meinen Garten?

Mit Futter. Das ist mir schon klar. Aber: Vögel klecksen, wo sie fressen – stecken sich die Vögel womöglich gegenseitig mit ekligen Krankheiten an und meine Kinder gleich mit? Fördert Futter nicht eh nur durchsetzungsfähige Allerweltsarten wie Amseln und Meisen?  Und reicht es nicht, dass wir unser Laub bis zum Frühjahr liegen lassen und Hagebutten, Beeren und olle Äpfel hängen lassen?

Nein, alles ganz falsch, las ich dann in der Gartenzeitschrift „kraut&rüben“. Professor Doktor Peter Berchthold, ehemaliger Leiter der Vogelwarte Radolfzell und „einer der führenden Ornithologen Deutschlands“ wurde dort über den Stand der Wissenschaft befragt:  Vögelfüttern sei eine unschlagbare ökologische Hilfe; Studien hätten gezeigt, dass eben nicht nur Allerweltsarten sondern auch seltene Arten davon profitieren. Und: man solle nicht nur im tiefen Winter bei Eis und Schnee füttern, sondern auch im Frühling, im Sommer und im Herbst. Denn die Vögel finden ganzjährig zu wenig zu essen. Die deutschen Äcker seien mit Herbiziden frei gespritzt von Wildkräuter-Samen und Insekten, Wiesen würden schon geschnitten, bevor Gräser und Blumen blühen, weil statt Heu nur noch Silage eingefahren wird.

Südamerikanische Erdnüsse für deutsche Vögelchen

Und so verteilten wir wie empfohlen Rosinen und Apfelschnitze im Garten, hängten  Meisenknödel und Erdnusssäckchen in den Baum und füllten Sonnenblumenkerne ins Häuschen – alles zusammen, fix und fertig als Aktionspaket in einem Eimer gekauft.

 
Im Sonderangebot, bei Lidl, Aldi und Co. Wahrscheinlich aus den USA, aus Südamerika, aus Afrika; angebaut in großen Monokultur-Äckern,für die traditionelle Mischkulturen aufgegeben und Wälder abgeholzt werden. Die  mit ökologisch völlig unangemessen viel Wasser gegossen werden und mit Herbiziden von Wildkräuter-Samen und Insekten freigespritzt. So dass die afrikanischen und amerikanischen Vögel nichts mehr zu fressen finden.....

… damit ich und meine Kinder bequem vom Fenster aus Vögel zählen können und auch noch die Chance haben, beim Birdwatchday Einkaufsgutscheine, DVD und Klingeltöne fürs Handy zu gewinnen.
Zum Glück haben meine Kinder mir keine genaueren Frage gestellt. Sie waren zu begeistert von den Vögeln, den Amseln, den Meisen, den Rotkehlchen. Es kam ein Buntspecht, irgendwelche „mit Hüten“ und dann die Bande Dohlen, die die Meisenringe von den Ästen klauten und davonflogen.

Eine richtige Antwort hätte ich auch nicht gewusst. Außer: Jedes Ding hat zwei Seiten und Vogelschutz ist nicht das gleiche wie Umweltschutz.

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

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