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Dabei sein ist alles
Für das nächste Yango-Heft schreibe ich gerade einen Text übers Kinderkriegen.
Und eines scheint klar zu sein: Ein Mann ist heutzutage dabei, wenn er Vater wird. Und wenn nicht, dann weil er ein Macho ist, ein Drückeberger, ein Weichei oder womöglich jemand, den die eigene Frau nicht dabei haben will. Oder weil er Grippe hat. So oder so, das beste hat er verpasst.
Zusammenhang zwischen Geburtserlebnis und Vaterrolle
Rein statistisch nämlich soll es einen Zusammenhang zwischen dem Erlebnis der Geburt und der Zugewandtheit der Vaterrolle geben.
Aber was heißt schon statistisch.
Konnten Väter früher erst im fußballfähigen Alter etwas mit ihren Kindern anfangen – waren den lieben Kleinen also nicht von Anfang an so zugewandt wie heute – nur weil sie die entscheidenden Stunden in der Kneipe oder bei Schwiegermutter am Kaffeetisch verbracht haben? Oder weil die Vaterrolle damals eben anders definiert war? Und sind Väter heute viel „zugewandter“, weil viel mehr bei der Geburt dabei sind? Oder sind viel mehr bei der Geburt dabei, weil sie eben „zugewandter“ sind?
Es gibt auch statistische Hinweise, dass eine gemeinsam erlebte schöne Geburt die partnerschaftliche Verbindung von Mama und Papa fördert – aber eher nicht Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Und oft ist eine Geburt auch nicht so schön wie gedacht: Dann fühlen sich die Männer in ihrer Rolle als „irgendetwas zwischen Zuschauer, Begleiter, Trainer, Coach, Vermittler und Anwalt“ (so steht es im „Papa-Handbuch“) hilflos, und die Frauen fühlen sich im Stich gelassen. Und hinterher gibt es Vorwürfe und Streit.
Früher waren die Männer doch auch dabei
Wissenschaftlich korrekte Aussagen und Empfehlungen lassen sich also nicht treffen und auch der Verweis auf die gute alte Zeit hinkt.
Ja, ganz früher, vor der Zeit der gekachelten Kreißsäle mit Schlachthofatmosphäre, da waren die Männer meistens dabei, das stimmt. Das war halt so, weil die Kinder zu Hause zur Welt kamen.
Aber: erstens hatte der durchschnittliche Mann eine gewisse Praxis vom Ferkeln oder Kalben und ahnte immerhin, was auf ihn zukam. (Während vätergerechte Geburtsvorbereitung heute weder genau definiert ist noch flächendeckend angeboten wird.)
Und zweitens: er war nicht wirklich dabei, sondern mehr drumherum. Beschäftigt damit, Haus, Hof, Vieh, Kind und Kegel zu versorgen und ja, auch damit, heißes Wasser zu kochen. Jedenfalls musste er nicht „Zuschauer, Begleiter, Trainer, Coach, Vermittler und Anwalt“ sein, hatte keine Zeit, alles zu filmen und zu fotografieren und halbstündlich den Stand der Dinge an die werdenden Großeltern zu simsen; keine Muße, die werdende Mutter alle fünf Minuten zu fragen, wie´s ihr ginge, ob sie ein bisschen trinken oder essen möchte und wenn ja was; welchen Massagegriff sie wünsche. Und ob sie sich erinnern könne, wie der noch gleich ging.
Mehr Informationen für werdende Väter, ob sie nun 'dabei' sein wollen und werden oder nicht, gibt’s unter:
http://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/geburt/special-werdende-vaeter-bei-der-geburt
http://www.vaeter-nrw.de/
http://www.ichbinpapa.de
und in den Papa-Handbüchern, die bei Gräfe und Unzer erschienen sind: „Das Papa-Handbuch“ für Schwangerschaft, Geburt und das erste Jahr zu dritt, von Robert Richter und Eberhard Schäfer (14,99 EUR, 2005)
„Das Papa-Handbuch für Kinder ab 3“ von Peter Ballnik (14,99 EUR, 2010)

