Zurück zur Übersicht
Alles nur Theorie...
Feb '11
17:37 Uhr
16

Alltagsmathematik beim Schultornisterkauf

Viele Menschen sind der Meinung, sie könnten kein Mathe. Sicher, die Faszination der höheren mathematischen Beweisführung ist den meisten von uns verschlossen, aber: im Alltag kommen wir doch ganz gut klar und können zum Beispiel ausrechnen, ob das Schultornister-Komplettangebot für 179,90 mit Etui (bestückt mit Markenstiften des mittleren Preissegments), Sportbeutel, Schlampermäppchen und  Portemonnaie, günstiger ist als alles einzeln zu kaufen.

Eine schlechte Note in Mathe heißt nicht, dass man nicht rechnen kann

Schulranzen

Woher kommt dann dieses „Mathe-ist-nicht-so-meins“-Gefühl? Vielleicht noch aus der Schule, weil es in Mathe schlechte Noten gab. Und warum gab es schlechte Noten? Weil wir plus, minus, mal, geteilt, größer, kleiner prinzipiell nicht kapiert haben? Oder die Aufgabenstellung nicht? Besonders die von Textaufgaben, mit denen „das Textverständnis, das Ziehen eigener Schlüsse, die Fähigkeit zum mathematischen Denken und der Umgang mit Zahlen getestet werden soll.“ (Ob schlechte Noten in diesem Bereich nun an  der mangelnden Textverständnis-Kompetenz der Schüler liegt oder an der schlechten Textformulierungskompetenz der Aufgabensteller, hat noch niemand getestet, meines Wissens.)

Wie auch immer, auch aus dem Schultornisterkauf lässt sich eine schöne Textaufgabe machen. Denn bevor man ihn komplett oder in Einzelteilen zur Kasse trägt, muss man sich für einen entscheiden.Und dazu braucht man eine Menge Text- und Zahlenverständnis.

Schulranzenkauf braucht Zahlenverständnis

Möglicherweise haben Sie Glück und der von Ihrem Kind favorisierte Ranzen war beim aktuellen Testdurchlauf von Stiftung Warentest oder Ökotest dabei.
Nun ja, was heißt Glück. Pech könnte man auch sagen. Denn wer die Tests gelesen hat, würde am liebsten keinen mehr kaufen: PVC und chlorierte Kunststoffe sind drin, Weichmacher, hormonell wirksame zinnorganische Verbindungen, fiese Farbstoffe, viel mehr als erlaubt und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen viele krebserzeugend sind.

Also, noch mal von vorn: bevor man das Schulequipment komplett oder in Einzelteilen zur Kasse trägt, muss man sich für entscheiden und dazu braucht man eine Menge Text- und Zahlenverständnis. Es sei denn, man hat das Glück, dass der vom Kind favorisierte Ranzen das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit trägt und das Emblem für die Schulranzennorm DIN 58 124.

Ansonsten müssen man nämlich  selber messen und rechnen, ob der Ranzen im leeren Zustand nicht mehr als 1500 Gramm wiegt, s-förmig gebogene Tragegurte hat -  vier Zentimeter breit - und ob die  Flächen der Vorderteile und Seitenteile zu einem Zehntel reflektieren und zu einem Fünftel fluoreszieren. Ohne genau zu wissen, was der Unterschied ist zwischen fluoreszierend und reflektierend und ob das viele Knallorange zu einer von den beiden Kategorien gehört, ein Ergebnis steht schon mal fest:  ein unscheinbares, ein schlichtes, man könnte auch sagen, ein ästhetisch ansprechendes Modell können Sie gleich vergessen. Denn der Ranzen muss kräftig leuchten, damit auch der kurzsichtigste Autofahrer sieht, dass er ein Kind vor sich hat.

Rücken oder ziehen?
 
Trolleys können Sie übrigens gleich stehen lassen: Rücken ist besser als ziehen, da sind sich die Schulranzenforscher einig. Denn: wenn Kinder den Trolley Bürgersteige oder Treppen hochzerren, wenn sie ihn in den Bus wuchten, dann wird ihre Wirbelsäule gedreht, gestaucht und letztlich mehr belastet als beim Tragen. Vorausgesetzt:  der Tornister ist ergonomisch geformt, richtig geschnürt und richtig gepackt: die Balance zwischen linker und rechter Seite sollte stimmen, und schwere Bücher sollen nahe am Rücken stecken. Dieser Bereich von Mathe heißt übrigens Statik. Und ganz zum Schluss kommt dann noch Prozentrechnung ins Spiel:  zehn bis  maximal zwölf Prozent des Körpergewichtes des Kindes darf so ein voller Ranzen wiegen.

 
Na, dann mal an die Arbeit!

Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

Diskutieren Sie mit Sigrid Tinz über ihren Alltag als Mutter und Wissenschaftsjournalistin.

tags

Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31