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Radfahren
Fahren Sie viel Rad? Und gern? Ich nicht. Ich weiß, Bewegung ist gesund, Fahrräder produzieren kein CO₂, und auch keine Abgase und überhaupt: Hier im Münsterland sagt man so was nicht. Ich finde Radfahrer sind oft unsympathisch. Sie tun alles, was Autofahrer aus Angst vor Punkten lassen: durch Fußgängerzonen und Spielstraßen rasen, über rote Ampeln und gegen die Spur fahren, freihändig, telefonierend, was weiß ich. Das heißt: Ich weiß es. Weil ich all das auch mache, wenn ich Fahrrad fahre. Was ich aber noch schlimmer finde: Radfahrer halten sich dabei auch noch für die besseren Menschen.
Sind sie doch im Dienste der Gesundheit, der Umwelt und der Fitness unterwegs. Wieso sollten sie einfach langsamer fahren, womöglich anhalten und absteigen, nur weil ein hochkonzentriert mit seiner tropfenden Eiswaffel beschäftigter Dreijähriger in der Spur steht? Trost und Stärkung finde ich im „Fahrradhasser-Buch“ (Annette Zoch, Kai Pannen, Sanssouci-Verlag). Darin bekommen sie ihr Fett weg: die Sport-Radler, die Edel-Radler, die Krawall-Radler, die Radl-Rentner, die Anhänger-Eltern und, und, und. Wer noch fehlt in dem Büchlein, das sind die E-Biker. Diese als segensreich gepriesene Erfindung führt letztlich nur dazu, dass noch mehr Radfahrer noch öfter, noch länger und noch schneller unterwegs sind.
Aber für irgendwas muss man den Strom ja benutzen, den man durchs Glühbirnen-gegen-Energiesparlampen-Tauschen eingespart hat.

