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Fische sind die neuen Dinos
Am 8. Juni feiern wir den Tag des Meeres.
Wussten Sie gar nicht?
Ich wüsste es auch nicht, wenn ich nicht von verschiedenen Firmen darauf hingewiesen würde, meist mit folgenden Worten: „Am 8. Juni feiern wir den Tag des Meeres. Planen Sie darüber zu berichten? Dann können wir Ihnen folgende Produkte empfehlen...“ Und dann empfehlen sie mir Bücher, Spiele, Experimentierkästen, Bettwäsche, Veranstaltungen und Zeitschriften, alles mit irgendwelchen Meeresthemen. „Mare, die Zeitschrift der Meere“ zum Beispiel bringt ab dieser Woche regelmäßig ein Kinderheft heraus: „aHoi!“ heißt das, in der ersten Ausgabe gibts „Post von Cornelia Funke und tolle Siggi-Sticker“. Und sechs Ausgaben pro Jahr kosten 20,00 Euro
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Alles Zufall!
Als ich klein war, gab´s das nicht. So viele Bilderbuch- und Kinderspielfische, meine ich. Es gab Moby Dick, Flipper und den Butt vom „Fischer un sin Fru“.
Aber jetzt? Fische sind die neuen Dinos, würde ich sagen.
Ich glaube ja, ausgelöst hat die Fischwelle der „Regenbogenfisch“ (Marcus Pfister, Nord-Süd-Verlag, 15,80 €). Der allerdings nur zufällig ein Fisch geworden ist! So beschreibt es zumindest sein Erfinder, der einen Nachfolger für sein Erstlingswerk „Die müde Eule“ suchte. Irgendwie wurden aus den stilisierten Vogelfedern Schuppen und aus der farbigen Eule ein glitzernder Fisch, der Geschichten erlebt vom Teilen und Helfen, vom Ausgrenzen und Zusammenhalten, vom Streiten und Vertragen und von anderen soziale Schwierigkeiten und ihrer Lösung, leicht und geradeaus erzählt. Und gerne eingesetzt wird von Spieltreff-Leiterinnen, Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen; So wird der Regenbogenfisch Jahrgang für Jahrgang allen Kindern bekanntgemacht. Und gemocht: Mädchen finden ihn niedlich und schön glitzerig, für Jungs sind die Bücher blau genug, um ihnen nicht peinlich zu sein. Und auch ästhetisch anspruchsvolle Eltern können die Bilder ertragen, und haben nichts dagegen, ihren begeisterten Kindern den Regenbogenfisch auch noch als Kuscheltier, CD, Puzzle oder Kartenspiel zu schenken. Und so wurde aus dem Buch ein riesiger Erfolg, die Titel erscheinen mittlerweile in einer Auflage von 30 Millionen und sind in 50 Sprachen übersetzt worden.
Klar, das auf der Welle dieses Erfolges auch andere Verlage mit schwimmen wollen.
Und schon sind Fische in.
Es gibt nun auch Kinder, die Fische nicht nur süüüüß finden, sondern sich wirklich dafür interessieren. Deren Eltern rate ich, ein Sachbuch dazuzunehmen (z. B. „Blubb – Leben unter Wasser“, erschienen bei Dorling-Kindersley, 19,95 Euro). Dann sind Sie gerüstet für Fragen, ob es der Krake heißen oder die Krake und ob der oder die Krake das gleiche ist wie ein Tintenfisch oder wie ein Calmar. Ob es den Pyjamabarsch „in echt“ gibt und den Kofferfisch und den Laternenfisch; und wenn ja, ob der dann wirklich so einen leuchtenden Bommel vor der Nase hat? Und sie können Ihrem Kind gleich erklären, dass die beliebte Geschichte „Fisch-landet-im-Ausguss-und-reist-durch-die-Kanalisation-in-die-weite-Welt-hinaus“ nicht zur Nachahmung empfohlen ist: In der Realität ist eine solche Reise spätestens im Schredderwerk der Kläranlage zu Ende.
Die ichthyologischen Fakten sind meistens nicht korrekt...
I chthyologisch, also fischwissenschaftlich korrekt sind nämlich nur die wenigsten Fischbücher, auch die nicht, die sich „Der Regenbogenfisch entdeckt die Tiefsee“ und „Der kleine Fisch entdeckt das Meer“, nennen – von rund einer Million höheren Tieren wie Fischen, Krebsen, Säugetieren und Tintenfischen, die laut jüngster Zählung in den Ozeanen leben werden da nämlich immer nur Oktopusse, Quallen, Seenadeln, Haie, Wale und noch eine Handvoll anderer Arten entdeckt.
Wem die ganzen schönen Bücher auf die Nerven gehen, die er seinem fischbegeisterten Kind vorlesen muss, all die kulleräugigen Fische, die puscheligen Anemonen, die zart schillernden glitzerglatten Muscheln, die sich gegenseitig ganz doll liebhaben und immer zusammenhalten, (wie mir), dem empfehle ich: Fjodor. („Fjodor flippt aus“, Felix Janosa, Pal H. Christiansen, terzio, 14,95 €). Fjodor ist ein Kabeljau, weder süüüüüüüß noch freundlich und pseudo-ichthyologische Fakten werden hier auch nicht entdeckt. Fjodor muss man sich vorstellen wie Pumuckl, dazu marianengrabentief schlecht gelaunt, verlogen, wehleidig und weinerlich. Keine Ahnung, warum Fjodor ausgerechnet ein Fisch ist. Aber es ist gut so, denn: zum Buch gibt es auch eine CD, mit Text und mit Liedern, die nach Beach Boys, Bacardi Feeling und Waterkant klingen.
Der Tag des Meeres wäre doch der richtige Anlass, sich das mal anzusehen und anzuhören.....

