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Alles nur Theorie...
Aug '11
18:22 Uhr
10

„Kinder-brauchen-Natur“



Nacktschnecke

Ein bisschen ist es wie mit den Geländewagen, von denen ja immer mehr durch immer weniger Gelände fahren: je weniger Kinder noch draußen in der Natur spielen können, desto mehr wird in idyllisch bebilderten Reportagen in Geo, Spiegel oder Nido drüber geschrieben, wie  schön und wie wichtig es ist. Tenor: Schnecken sammeln, Kränze flechten, Borkenboote fahren lassen sind sinnliche Erfahrungen mit Händen und Füßen, Augen, Ohren, Herz und Verstand. Und für die körperliche, intellektuelle und seelische Entwicklung genauso so wichtig wie Liebe, Essen und Schlafen.

Das stimmt ja auch.

Aber wer dann keine Wildblumenwiese und kein Bächlein vor der Haustür hat, sondern nur den rüden Großstadtdschungel, lässt die Kinder lieber drinnen und zeigt ihnen Tierfilme und Fährtenlese-Bücher. Meine Kinder haben Glück. Nicht weil es bei uns so viel unberührte Natur gibt. Sondern weil sich unsere Kita nach langer, ergebnisloser Suche nach einem für wildnispädagogische Zwecke geeignetem Wäldchen genau andersrum entschieden hat: aus dem Satz „Draußen-in-der-Natur-spielen“ erst mal nicht „Draußen spielen“ zu streichen, sondern „Natur“. Einmal in der Woche marschieren sie jetzt einfach durch die Stadtlandschaft. Bei Regen frühstücken sie unter einer Brücke und wenn sie mittags zurückkommen, haben die Kinder die Taschen voll mit Kornkorken, leeren Taubeneiern und anderen Schätzen und sind dreckig und zufrieden. Rennen, Toben, Klettern, Erleben, Gestalten, Entdecken - das  ist wichtig für die Entwicklung.

Nacktschnecken streicheln nicht so sehr, glaube ich.

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Wissenschaft im Alltagstest

von: Sigrid Tinz

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