Zurück zur Übersicht
für bücherwürmer

„Kinder wollen Spaß beim Lesen“

7500 Kinder- und Jugendbücher erscheinen jedes Jahr auf dem deutschen Buchmarkt, eine kaum zu überblickende Flut. Doch bei Weitem nicht alles findet bei den jungen Lesern Gefallen, schließlich sind Kinder anspruchsvolle Leser.

für bücherwürmer | „Kinder wollen Spaß beim Lesen“
 

Mein Sohn ist acht, spielt gern Fußball und hasst Blockflöte. Welches Buch können Sie empfehlen?“ Mit derart konkreten Fragen werden wohl nur Kinderbuchhändler konfrontiert.

VERWANDTE ARTIKEL

kinderbücher
So jung und schon ein Klassiker

„Im Bereich der Kinder- und Jugendbücher kommt den Buchhändlerinnen – es sind meist Frauen – eine bedeutende Rolle zu“, sagt Kerstin Keller-Loibl. Sie ist Professorin an der HTWK Leipzig, betreut gemeinsam mit ihren Studenten das Kinder- und Jugendbuch-Portal des Goethe-Instituts und beschäftigt sich mit der Qualität von Kinder- und Jugendbüchern. „Die Buchhändlerinnen kennen den Markt am besten“, sagt sie. Weil Eltern oft nur das kaufen, was sie selbst gerne gelesen haben oder kennen, stehen viele ungelesene Bücher in deutschen Kinderzimmern, ist sie sich sicher. Denn die Lebenswirklichkeiten von Eltern und Kindern gehen allzu oft auseinander.

„Eltern haben einen pädagogischen Anspruch an Kinderbücher, während Kinder einfach nur Spaß am Lesen haben wollen“, sagt sie. In der Wissenschaft zählen die Erweiterung sozialer Kompetenzen und der Ausbau der eigenen Vorstellungswelt zu den wichtigsten erzieherischen Elementen, die Kinderbücher mitbringen sollten.

„Bücher, die ausschließlich auf Erziehung ausgelegt sind, sind ein überholtes Konzept“, sagt Kerstin Keller-Loibl. Sie bewertet Kinderbücher vor allem aufgrund ihrer Illustrationen und ihrer Sprache. „Sie sollten altersgerecht geschrieben sein“, sagt sie. Und damit meint sie nicht „auf klein gemachte“ Sprache. Sondern vielmehr das Ausschöpfen der Möglichkeiten zur Leseförderung. „Reime und Sprachspiele oder auch metaphorisches Schreiben sind sehr wichtig, um den eigenen Wort- und Sprachschatz zu erweitern.“

Um die Vorstellungskraft von Kindern zu fördern, empfiehlt sie, auch auf Illustrationen zu achten. „Eltern greifen oft zu Darstellungsformen, die sie selbst kennen. Dabei können gerade künstlerisch-ästhetisch gestaltete Bilderbücher Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen. Das muss man den Eltern nur erklären.“

Bei der Auswahl von Kinderbüchern bricht Kerstin Keller-Loibl zudem eine Lanze für Bibliotheken und Büchereien. „Im Buchhandel bestimmt doch oft das Geld, wie viele und welche Bücher gekauft werden. In Bibliotheken können die Kinder frei und so viel sie wollen auswählen.“

Bei der Frage, was ein gutes Kinderbuch ausmacht, setzt sie auf eine gelungene Kombination aus Unterhaltung und Erziehung. Doch das Wichtigste sei, dass die Bücher bei den Kindern selbst ankommen. „Sie müssen zum Lesen anregen. Dann entdecken sie später auch andere Literatur.“

(Meike Lorenzen)


Kommentare