Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ erschien 1912 – das Buch machte seinen Schöpfer Waldemar Bonsels berühmt. Klar, heute kennen alle vor allem die Trickserie, die ab 1976 in 104 Folgen ausgestrahlt wurde.
Was nichts daran ändert, dass Maja schon lange vorher ein Riesenerfolg war.
Die Story ist einfach: Die kleine Maja hat keinen Bock auf Stock, und wenige Tage nach ihrer Geburt haut sie ab. Draußen auf der Wiese im Schlosspark erlebt sie ihre tollen Abenteuer, die darin bestehen, dass sie in jedem Kapitel einem anderen skurrilen Insekt begegnet. Zum Schluss gelingt ihr die Flucht aus der Hornissenburg – gerade noch rechtzeitig kann sie ihre Leute vor einem Überfall warnen. Die Hornissen werden besiegt, und Maja erhält zum Dank einen Lehrauftrag an der Bienenschule. Mit Pensionsanspruch.
Klingt das zynisch? Ganz so sauber ist die Geschichte wirklich nicht. Die Biene Maja ist der Prototyp einer gezähmten Ausreißerin, die den engen Verhältnissen ihrer Heimat nur halbherzig entflieht. Auch in der Wildnis ist sie eine ergebene Untertanin ihrer Majestät der Königin.
Und sie hätte im Zweifelsfall auch Kaiser Wilhelm angehimmelt. Die letzten Kapitel schildern den Kampf zwischen Bienen und Hornissen mit soviel Täterä, als hätte der Autor den Ersten Weltkrieg auf der Blumenwiese vorwegnehmen wollen. „Verteidigt das Reich!“, ruft Königin Helene VIII., und die Bienen sterben freudig den Heldentod. Gefangene werden nicht gemacht. Und doch: Die Biene Maja ist ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Die Idee, aus den Insekten einer Blumenwiese die Handelnden eines ganzen Romans zu machen, war neu und gut. Natürlich haben alle Handelnden höchst menschliche Stärken und Schwächen: Der Rosenkäfer ist ein Ästhet, der Mistkäfer ein ungehobelter Kraftprotz, die Spinne hinterhältig, der Schmetterling vornehm, die Fliege lästig und die Hornissen, nun ja: gefährlich, aber sexy. Es ist das Abbild einer kleinbürgerlichen Welt voller Schönheit und voller tödlicher Gefahren. Erstaunlich unverblümt für ein Kinderbuch.
Andererseits pflegte Bonsels eine poetische Sprache, und Humor hatte der Autor auch. Ganz kurz lässt er einen Marienkäfer als überheblichen Schriftsteller auftretenden und ein Gedicht rezitieren. Versteht sich, dass die Biene Maja die schlechte Literatur sofort durchschaut. Wie gesagt: sie wird mal Lehrerin . . .
Der Hit zur Serie
„Und diese Biene, die ich meine . . .“ Das Lied von der Biene Maja wurde für ihren Komponisten Karel Svoboda und ihren Sänger Karel Gott, die „goldene Stimme von Prag“, zum wahrscheinlich nachhaltigsten Erfolg ihrer Karrieren, zumindest in den deutschsprachigen Ländern. Die beiden Tschechen waren in den 70er Jahren in Deutschland populär: Während die erste Staffel der „Biene Maja“ noch ausgestrahlt wurde, lief die Titelmelodie auf allen Radiosendern. Svoboda (1938-2007) war der Komponist fast aller deutsch-japanischer Trickfilmproduktionen jener Zeit, er komponierte auch „Wickie und die starken Männer“ (1974), „Pinocchio“ (1976) oder „Nils Holgersson“ (1980), auch die Musik zu den Märchenfilmen „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ oder „Wie man Dornröschen wachküsst“ stammte von ihm.
