Dennoch ist gerade dieses freundliche Moppelchen unvorstellbar populär geworden: Im September 1976 wurde die erste Folge der Trickfilmserie im ZDF ausgestrahlt, ein Jahr lang gab es eine Folge pro Woche, 52 insgesamt. Was für ein Drama, wenn man mal eine Folge verpasst hatte – man musste sich den Inhalt von Freunden erzählen lassen, und lebte fortan in dem Gefühl, diesen Verlust nie verschmerzen zu können.
„Die Biene Maja“ wurde die bis dahin erfolgreichste Trickfilmserie des deutschen Fernsehens. Unvorstellbare drei bis vier Millionen junger Zuschauer hatte jede Folge; und als die Pracht vorbei war, gab es so viele Zuschauerreaktionen, dass die Ausstrahlung ein Jahr später einfach wiederholt wurde und gleichzeitig eine zweite Staffel entstand.
Die erste der beiden Staffeln orientiert sich noch deutlich an Waldemar Bonsels’ Roman: Die erste Folge beginnt mit Majas Geburt, die letzte endet mit der Schlacht um den Bienenstock – und dazwischen gibt es viele spannende Begegnungen mit lustigen Insekten.
Der große Unterschied: Im Roman taucht kaum eine Figur zwei Mal auf. Die Serie entwickelt diese Figuren hingegen zu echten Charakteren, die Maja bei ihren Abenteuern begleiten; es werden im Lauf der Serie immer mehr, und sie werden immer wichtiger. Vermutlich haben sie den dauerhaften Erfolg des Ganzen begründet.
Majas Kumpel Willi ist eine geniale Erfindung der Filmemacher – die vielleicht erkannt haben, dass Maja als Außreißerin eine Spur zu brav geraten ist. Willi ist ein liebenswerter Nichtsnutz; er ist faul, feige und verfressen, und als Kind der friedensbewegten 70er ist er vermutlich auch Pazifist und Atomkraftgegner. Er wirkt auf den ersten Blick als biederer Bremser der abenteuerlustigen Maja, ist aber tatsächlich der eigentlich Unangepasste. Willi hat nichts dagegen, Majas Platz in der Gefängniszelle zu tauschen – ihm ist es egal, wo er schläft . . .
Der Grashüpfer taucht schon bei Waldemar Bonsels auf – als sprunghafter, unkonzentrierter, namenloser Geselle. In der Trickfilmserie wird „Flip“ zur schrulligen Vaterfigur mit Frack und Zylinder, und aus dem unberechenbaren „Hoppla“ des Originals wird ein gemütliches „Hüh-Hüpf“.
Die anderen Figuren hat bereits Waldemar Bonsels vorgestellt, und er hat ihnen auch die Namen gegeben: Da gibt es die Spinne Thekla, den Weberknecht Hannibal, die Stubenfliege Puck und die Libelle Schnuck, nicht zu vergessen Kurt, den Mistkäfer, der so gern ein Rosenkäfer wäre.
Ein großartiger Gag der 70er Jahre sind die zackigen Ameisen. So schön sind nie zuvor soldatische Tugenden durch den Kakao gezogen worden.
