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elternsprechtag

Stressfrei durchs Lehrergespräch

Am Elternsprechtag wollen wir Eltern über unser Kind reden und hören, was es so macht – am liebsten Gutes natürlich. Lehrer reden über ihre Schüler oder über ihr Fach, Erzieherinnen über den Entwicklungsstand. Nicht immer laufen die Gespräche optimal. Was Eltern tun können, damit es besser klappt, hat Sigrid Tinz zusammengestellt.

Foto: Fotolia
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„Wir haben Elternsprechtag!“, steht auf dem Zettel, den das Kind aus dem Tornister zieht. Den Zettel sollen die Eltern unterschreiben und ankreuzen, zu welcher Uhrzeit und bei wem sie ihre Zehn-Minuten-Termine wahrnehmen möchten.

Auch in der Kita hängen Einladungen zum halbjährlichen Elterngespräch am Fach. „Es gibt für jedes Kind offizielle Beobachtungsbögen zum Entwicklungsstand, die sind Grundlage für diese Termine“, beschreibt Barbara Prautzsch vom Stadt­elternrat Münster den Ablauf. Und sie dienen dem generellen Austausch zwischen Eltern und Erzieherinnen: Was kann das Kind, was macht es gern, was nicht, wie ist es zu Hause, wie in der Kita?

Die meisten Eltern sehen dem mit Interesse entgegen: Es ist ja auch alles sehr wichtig, und es ist schön zu erfahren, was das Kind so tut, wenn es tagsüber weg ist.

Ein bisschen unwohl ist vielen trotzdem: Es wird sicherlich auch Unschönes zu berichten geben. Zum Beispiel „Malen ist überhaupt nicht Davids Ding und manchmal schafft er es nicht pünktlich aufs Klo“. „Kritik am Kind verstehen Eltern dann schnell als Kritik an ihrer Erziehung und an ihnen selbst“, sagt Uta Reimann-Höhn, Diplompädagogin und Herausgeberin der Website www.lernfoerderung.de.

Andersherum geht es Erzieherinnen oft nicht anders: „Gibt es Probleme, geht es schnell um Schuldzuweisungen, anstatt sich um eine Lösung im Sinne des Kindes zu bemühen.“ Aber: „Überwiegend laufen die Gespräche freundschaftlich und positiv ab“, so die Erfahrung von Barbara Prautzsch. Es gibt Kaffee und Plätzchen, man hat viel Zeit, circa eine halbe Stunde, um kann auch noch darüber reden, was Davids Ding denn so ist.

In der Schule ist die Zeit der Plaudereien vorbei. Hier geht es um Benehmen, um Noten und irgendwie auch um die Zukunft unserer Kinder.

Innerlich gewappnet betreten die Eltern das Sprechzimmer – oft noch mit einem „Päckchen“ aus der eigenen Schulzeit, als es um unser Benehmen, Noten, die Zukunft ging. Und treffen nicht automatisch auf Lehrkräfte, die in Elterngesprächen versiert sind – weder in „normalen“ und auch nicht in besonderen, schwierigen, interkulturellen, konfliktreichen. Zur Ausbildung gehört das Thema nämlich nicht, es ist Erfahrungssache und Fortbildungsinhalt.

Im Gegenteil: Oft empfängt die Lehrerin oder der Lehrer die Eltern ebenso innerlich gewappnet – sind sie doch schon wegen verlorener Jacken angebrüllt oder wegen einer Religionsnote vor Gericht zitiert worden.

Auch wenn der Elternsprechtag nur selten eskaliert: Man redet höflich und vermeintlich sachlich miteinander, aber meist nur an der Oberfläche oder schlicht aneinander vorbei.

Zehn Minuten sind auch sehr wenig Zeit. Das reicht fürs Nötigste, aber nicht um so etwas wie eine Beziehung zwischen Eltern und Lehrern aufzubauen. „Das persönliche Verhältnis aber“, so Barbara Prautzsch, „ist entscheidend dafür, wie ein Gespräch verläuft.“

In der Kita ist es noch einfach: Ein persönliches Verhältnis ergibt sich meist nebenbei, denn man sieht sich bei jedem Bringen und bei jedem Abholen, unterhält sich ein bisschen über Pipi in der Hose oder wie schön die Laterne ist, die David gebastelt hat.

In der Schule sind solche Tür-und-Angel-Gelegenheiten selten. Jeden Morgen die Lehrerin abpassen, um zu sagen, dass Marie Spaß an der Biologie-Exkursion in den Park hatte, dass sie ihre Mütze verloren oder die verlorene Mütze wieder gefunden hat? Eher nicht.

Bei Gelegenheit sollte man das aber durchaus tun; oder eine kleine Mitteilung ins Hausaufgabenheftchen schreiben. Das empfiehlt zumindest die Lehrerin und dreifache Mutter Heidemarie Brosche. Lehrer können nicht hellsehen, freuen sich über Rückmeldung und Anerkennung. Sie empfiehlt auch, nicht auf die zweimal jährlichen Elternsprechtage zu warten, sondern sich hin und wieder einen Termin für die wöchentliche Sprechstunde geben zu lassen. Auch ohne besonderen Anlass – einfach so zum Austausch.

Dann sind beide Seiten gut gerüstet, um sich in den kurzen Elternsprechterminen trotzdem konstruktiv auszutauschen. Im Idealfall funktioniert es auch, sollten Eltern oder Lehrerin oder Erzieherin aus einem besonderen Grund ein Gespräch ansetzen.

Und es ist auch nicht nötig, ein Foto vom Kind mitzunehmen. Was erfahrene Eltern durchaus empfehlen: Damit man nicht am Ende der zehn Minuten merkt, dass man gar nicht über das gleiche Kind geredet hat.

(Sigrid Tinz)


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