Annegret Schwegmann genießt immer wieder die Weitläufigkeit des Ketteler Hofs in Haltern-Lavesum.
Weil wir seit Jahren mindestens zweimal im Sommer zum Ketteler Hof fahren, gelten wir als „Experten“ (nun ja. . .) in der Beurteilung dieses Parks. Was die meisten Familien wissen wollen, ist dies: Eignet sich der Park für alle – von den Kleinsten bis zu den Großen und im besten Fall auch für die Erwachsenen?
Der nächste Fragende wird diese Geschichte quasi als anschauliche Antwort zu hören bekommen. Die Geschichte von der Familie, die vor ein paar Wochen im Räubernest des Parks zu beobachten war. Der Großvater sollte eigentlich auf den Jüngsten aufpassen, geschätzte zwei Jahre alt und gerade mit seinem Nucki im Kinderwagen eingeschlafen. Weil sich seine Enkelin jedoch nicht durch eine der Röhren zu klettern traute („Die ist so eng!“), bat der Endsechziger die Frau neben ihm, ein Auge auf den Kleinen zu haben, und kletterte der Siebenjährigen hinterher, zuerst eine Leiter hoch, dann durch schmale Gänge mit grob gezimmerten Seitenwänden, an einem Seil hangelnd und schließlich mittendrin im Tunnelgang und dabei so ansteckend schwärmend, dass die Siebenjährige schnell hinterher kletterte. Ein Park für alle? Unbedingt. Jedenfalls für alle, die Freizeitparks nur dann mögen, wenn sie selbst darin die Regie übernehmen können.
Der Ketteler Hof in Haltern-Lavesum erstreckt sich über zwölf Hektar, die die Betreiber – die Geschwister der Familie Schulze Robert – so geschickt nutzen, dass nicht einmal an Tagen, an denen auf den Parkplätzen kaum mehr ein freier Platz zu finden ist, unangenehmes Drängen und Schubsen entsteht. Mit Schlangen ist nur vor der Wasserrutsche zu rechnen, einer Art Wahrzeichen des Parks, die jeder nutzt, weil es als Kult gilt, in Schlauchbooten über die Hügel der Rutsche zu sausen.
Ansonsten machen sich die Weitläufigkeit und die Vielzahl der Angebote immer wieder bezahlt. Im Schatten alter Bäume haben die Betreiber Kletteranlagen oft nach eigenen Entwürfen aufgebaut. Anlagen wie das Räubernest oder das Bergwerkslabyrinth, in denen nichts vorgegeben ist. Nicht die Route, die zu erklettern ist, und auch nicht das Rollenspiel, das sich dabei fast zwangsläufig entwickelt. Wie selbstverständlich werden die Kletterer zu Bergleuten, die sich schnell in Sicherheit bringen müssen, oder zu Räubern, die ihr Hauptquartier vor Feinden verteidigen.
Auch die Rutschen haben es in sich, die Mattenrutschen und die Konstruktionen mit den transparenten Röhren. Wer die nicht mag, genießt es vielleicht, auf den wie Hügeln konstruierten Trampolinen zu hopsen, die Riesenschaukeln zu nutzen, die von einer Reifenwand zur anderen gleiten, oder die Wasserlandschaft mit Flößen unsicher zu machen.
Den Winter nutzen die Betreiber, um neue Spielstationen aufzubauen. In den vergangenen Jahren sind mit einem Bauernhof und einem Märchenland Angebote hinzugekommen, die den Kleineren unter den Parkbesuchern Spaß machen sollen. In den Märchenbüchern blättern die Kinder bisher allerdings eher flüchtig. Die Kletterflächen, die auch hier entstanden sind, reizen sie mehr.
Wer diesen Park besucht, sollte sich gern bewegen wollen und nicht erwarten, dass er mit Schausteller-Attraktionen bespaßt wird.
