Ende der 90er Jahre, als viele Tennishallen nicht mehr als rentabel galten, machten findige Investoren aus der Not eine Tugend, bauten die Netze ab – und Spielgeräte auf. Seitdem wächst die Zahl der Indoor-Spielplätze stetig. Rund 350 sind es deutschlandweit, „und monatlich kommen neue hinzu“, sagt Achim Landvogt. Er ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Hallenspielpätze, der die Interessen von derzeit 90 Mitgliedsbetrieben vertritt.
Sie alle werben mit überdachten „Spielparadiesen“ in Industrie- oder ehemaligen Tennishallen, manche über 10 000 Quadratmeter groß. Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Ein Qualitätssiegel gibt es nicht. Die Bandbreite dessen, was als „Indoor-Spielplatz“ firmiert, sei groß, bestätigt Landvogt. „Da finden Sie die unterschiedlichsten Konzepte.“
Vor dreieinhalb Jahren vergab die Stiftung Warentest zumeist katastrophale Noten für 19 primär unter Sicherheitsaspekten bewertete Hallen. „Die Behörden gucken weg, eine Kontrolle findet nicht statt“, bemängelten die Tester damals. Geändert hat sich daran wenig: Eine Pflicht zum Sicherheitscheck besteht nicht. „Wahrscheinlich muss erst etwas passieren“, beklagt TÜV-Sachverständiger Norbert Segerath. Er selbst begutachtet pro Jahr 40 bis 50 Hallen, die sich freiwillig prüfen lassen. „Aber das ist die Minderheit.“
Indoor-Spielplätze warten mit einer bunten Mischung aus aufblasbaren, gepolsterten, teils rundum mit Netzen geschützten Kombi-Spielgeräten auf, die es so auf keinem Außenspielplatz gibt. Das macht sie so attraktiv, was übrigens auch die Stiftung-Warentest-Studie bescheinigte, aber nicht notwendigerweise hundertprozentig sicher.
TÜV-Mann Segerath kann nicht verstehen, „dass Sie in Deutschland fünf Vorschriften beachten müssen, um ein Hinweisschild für einen Indoorspielplatz anzubringen, aber keine neutrale Sicherheitsprüfung durchführen müssen.“ Verbandschef Landvogt setzt statt auf Regularien ganz grundsätzlich eher auf die Selbstreinigungskräfte des Marktes: „Die Leute stimmen mit den Füßen ab“, sagt er. „Wer kein gutes Konzept und kein gutes Personal hat, ist in zwei Jahren weg vom Markt.“
Übrigens: Nirgends gibt es mehr Hallenspielplätze als in NRW. Die Website hallenspielplaetze.de verzeichnet 78 an der Zahl. Zum Vergleich: in Bayern oder Niedersachsen sind es jeweils gut 40. Ein echter (Verdrängungs-)Wettbewerb findet im Ballungsraum Ruhrgebiet statt. Inhaltlich sind die Indoor-Spielplätze sehr unterschiedlich bestückt. Die Palette reicht von kleinen Hallen mit „Standard“-Attraktionen bis zu großen mit Soccer- oder Minigolf-Bereichen.
